Dienstag, 12. Januar 2016

Mehr Meer als meistens

Sonnenverbranntes hallo!

Ich habe einen tollen zehntägigen Karibikurlaub mit elf der anderen Freiwilligen hinter mir.
Am Sonntag, den 27.12. quetschten wir uns alle in einen Reisebus und saßen die 14,5 Stunden Fahrt nach Santa Marta oben an der Küste ab. Dort schlug uns (als wir gegen 7:30 völlig verschlafen aus dem Vehikel kletterten) erwartungsgemäß eine Welle heißer stickiger Luft entgegen, aber am Meer herrschte immerhin eine frische Brise. Dorthin begaben wir uns auch ohne Umschweife. Der Stadtstrand Santa Martas ist nicht so beeindruckend – überall mietbare Schattenspender, überall leicht aufdringliche Straßenverkäufer, aber hey – Sand und Meer!

Ausblick vom Balkon des Hostels.
Am darauffolgenden Tag lernten wir das kleine Nachbardorf (oder ist es ein Vorort?) Taganga kennen, das voller Touristen ist und von seiner Größe her mit Cucaita vergleichbar ist. Auch hier verbrachten wir überdurchschnittlich viel Zeit am Strand und im Meer, aber in der restlichen Zeit lief ich mit einem kleinen Grüppchen herum, um ein süßes Café und ein fantastisches Restaurant zu finden, wo es die besten Crepes und super Pasta gibt.
Am Abend gingen wir feiern, aber irgendwie hat Santa Marta ausgehtechnisch nicht besonders viel zu bieten. Und naja, es war ein Dienstag.

Strand von Taganga.

Dritter Tag, dritter Strand. Mit einer dezimierten Gruppe von sieben Personen ging es zum Playa Blanca (weißen Strand), den man nur per Boot erreichen kann, da er umgeben ist von unwegsamen Bergen. Natürlich entsprach er nicht wirklich den uns vorher gezeigten Fotos. Viel zu viele Leute und zu wenig Bäume. Als wir uns zum Mittagessen in ein Restaurant setzten, durften wir eine für uns fremde hiesige Gepflogenheit kennenlernen. Der Kellner kam zu uns mit einem Tablett voller toter Fische, die einen ausdruckslos aus ihren Glupschaugen anstarrten. Dann sollte man sich eines der stinkenden Exemplare aussuchen, zum essen. Haben wir nicht gemacht, wir beschränkten uns lieber auf Pommes und Salat. Gegen fünf Uhr wollten wir zurückfahren. Leider hatte sich das der Rest des Strandes ebenfalls gedacht, und so ergab sich eine interessante Situation, die bei uns sieben Europäern nur noch 'die Flüchtlingssituation' genannt wird. Alle sich am Playa Blanca aufhaltenden Menschen wollten auf die viel zu wenigen Boote (weil der Rest erst später kam). Das sah ungefähr so aus.

Alle in die Boote!
Karla mit den 'Flüchtlingen'.
©Laura
Laura, Karla, Johanna und Domi.                   ©Laura

Ich weiß gar nicht mehr, was die anderen tagsüber am 31. veranstalteten, aber Laura und ich gingen unter anderem in einem genialen vegetarischen Restaurant/Café Mittagessen. Da gab es Hängepflanzen an den Wänden, einen Miniwasserfall und ein Bett! Den Laden habe ich sehr gefeiert.
Um Punkt sechs Uhr abends stießen wir auf das deutsche Neujahr an – mit Club Colombia (Bier). Für interessierte Gäste veranstaltete unser Hostel ein Abendessen, nach welchem wir uns aufmachten nach Taganga (wo wir bereits am zweiten Tag waren). Dort gibt es nämlich den Club 'El Mirador', in dem geschätzt 70% der Gäste Ausländer sind. Große Ausländer. Da fühlt man sich endlich mal wieder normal groß.
Der Club bestand aus zwei Dachterrassen auf einer Anhöhe über dem Meer, ziemlich genial. Leider waren fast keine Leute da. Um 12 Uhr stießen wir mit Sekt an und es gab ein klitzekleines Feuerwerk. Mit diesem klitzekleinen Feuerwerk schafften es die Veranstalter, einen Waldbrand unmittelbar neben dem Club auszulösen. In Deutschland wäre sofort totale Evakuation angesagt. In Kolumbien? „Tanzt weiter, habt Spaß!“ Und Domi machte erst einmal ein Waldbrandselfie.
Uns wurde es dann aber doch zu heikel und wir folgten den anderen Gästen den Berg herunter. Dort unten gab es das Hostel zum 'El Mirador'. Da fand gerade die eigentliche Party statt! Gut, dass wir das durch den Waldbrand herausgefunden hatten. Um zwei war dort Ende und das gesamte Partyvolk zog wieder nach oben, wo inzwischen der Brand beiläufig mit drei kleinen Feuerlöschern gelöscht worden war. Von uns Freiwilligen blieben nur Laura, Marie und ich bis zum Schluss. Dieser war um sechs Uhr morgens, als es hell wurde. Die Musik ging aus, aber so etwas hindert die Kolumbianer nicht am Weiterfeiern. Sie sangen bestimmt noch sieben Lieder zusammen und tanzten darauf.
Danach chillten wir noch ein Stündchen unten am Strand, wo mindestens so viel los war wie tagsüber.

Dies war schon ein besonderes Silvester. Denn wie oft kann man an Neujahr die Sonne über der Karibik aufgehen sehen?

Familienfoto beim Abendessen.
Die drei Verbliebenen, morgens um sieben am Strand.          ©Laura

Um unserer Masche treu zu bleiben, besuchten wir am 2.1. den nächsten Strand. Diesmal im Nationalpark Tayrona, für den Ausländer mehr als den doppelten Eintritt zahlen. Wir fuhren zum Strand Bahia Concha, der zwar auch gut gefüllt war mit Menschen, aber schon einen Unterschied machte zu den anderen, die wir bis dahin kennengelernt hatten. Das Wasser ist eben wirklich klar und türkis-blau. In unserer Tour war Schnorcheln inbegriffen (allerdings ohne Schnorchel und mit Schwimmweste), und so kamen wir auch in den Genuss, mit Salzwasser in Mund und Nase gehirnartig geformte Korallen, normale Korallen, Seeigel und viele bunte Fische zu beobachten.

Familienfoto im Boot auf dem Weg zum Schnorcheln. ©Laura
Koralle.                                         ©Laura
Mehr Korallen.                                      ©Laura
Blauer Fisch mit Korallen.                         ©Laura
Wasserfotos mit Alex und Laura.                   ©Laura

An unserem letzten Tag in Santa Marta machten wir etwas Besonderes.
Wir faulenzten am Strand.
Dann noch ein paar Besorgungen (mein obligatorisches Armband aus jedem Ort an dem ich war).
Dann noch ein bisschen feiern gehen, war aber nichts los.

Santa Marta. Viele Boote.
Santa Marta. Viele Menschen.
Morgens ging es los nach Cartagena (ca. 4h Fahrt), wo wir in dem Hostel einer ehemaligen Freiwilligen unterkamen. Man merkt, dass Platz hier teuer und knapp ist und die Stadt unendlich viele Touristen anzieht. Backpacker, die ohne Hostelreservierung ankommen, müssen teilweise auf der Straße schlafen. Fakt ist aber, dass das 'centro historico', also die Altstadt, wirklich sehenswert ist. Mit einem kleinen Grüppchen machte ich mich an diesem Abend auf, die Stadt etwas kennenzulernen. Kleine malerische Gässchen mit kleinen bunten Altbauten, die individuelle und schön hergerichtete Restaurants und Cafés beherbergen. Große Plätze mit großen bunten Altbauten und vielen vielen Lichtern. Und hinter der Stadtmauer kann man direkt das Meer sehen. Vor allem bei Nacht hat dieser Teil Cartagenas einen tollen Charme, wir waren begeistert.

El centro historico de Cartagena.

Im Hostel gab es Tucane!

Der nächste Tag brachte Hitze und einen kulturellen Trip mit sich. Zuerst ging es auf das 'Castillo San Felipe', von dem man einen fantastischen Ausblick auf die Stadt hat. Und gut Gruppenfotos machen kann. Zu Mittag gönnten wir uns Sushi (es gab sogar vegetarisches!) und danach spazierten wir weiter zum Schokoladenmuseum. Dieses bestand allerdings nur aus drei kleinen Räumen, in denen uns der Anbau und die darauffolgende Weiterverarbeitung des Kakaos erklärt wurde. Interessant zu sehen, wie anders hier ein Schokoladenmuseum ist. Ich kannte bisher nur das in Köln, und dort spezialisiert man sich eher auf die technische Seite der Produktion. Dort in Cartagena merkte man, dass der Kakao eben hier in Kolumbien angebaut wird, deshalb liegt der Augenmerk eher auf diesem Aspekt.
Wusstet ihr, dass der größte Produktor von Kakao mit über 25% Costa de marfil (westlich von Ghana) ist? Und dass das Land mit dem höchsten Schokoladenkonsum mit mehr als 10kg pro Jahr pro Person die Schweiz ist? Darauf folgten übrigens direkt Deutschland und das Vereinigte Königreich. Überdies produzieren Kolumbien, Ecuador und Perú zwar jeweils weniger als 5% des Weltanteils, dafür aber den Kakao mit der höchsten Qualität.
Habe voll was gelernt.
Um halb sechs speedwalkten wir zur Stadtmauer, um die Sonne hinter dem Meer untergehen zu sehen. War leider nicht so spektakulär, da waren zu viele Wolken (oder Smog).

Gruppenfoto auf Kanone auf Burg über Stadt.
Zwei Cucaitanerinnen über Cartagena.


Mit Frieda. Im Hintergrund eine der coolen großen bunten Altbauten.
Da Cartagena selbst nur unschöne Stadtstrände hat, fuhren wir an dem für einige letzten Tag mit einem Boot (1 Stunde lang) zu einem sehr abgelegenen Strand, der sich ebenfalls Playa Blanca nennt. Dort durften wir uns aussuchen, wo der Fahrer uns absetzen soll – somit befanden wir uns endlich an einer menschenleereren Stelle. Dieser Strand ist definitiv der schönste von allen gewesen.
Glasklares Wasser, weicher weißer Sand und ein veganes kleines Restaurant!
Die Rückfahrt an sich war auch noch ein Ereignis, da um diese Uhrzeit recht reger Wellengang herrschte, sodass wir teilweise regelrecht geflogen sind.
Vom Boot aus bemerkte man erst richtig, wie riesig Cartagena eigentlich ist und was für einen kleinen Teil wir nur kennengelernt hatten. Der Großteil der Stadt besteht aus riesigen Wolkenkratzern.
Cartagena vom Meer aus.                                  ©Laura

Laura und Karla in der Karibik!
Privatinsel in der Karibik - läuft.                 ©Laura
Karla in der Karibik!
Traumhafter Strand.                                  ©Laura

Für Laura und mich ging es am darauffolgenden Morgen bereits per Flugzeug zurück nach Bogotá und danach ganz nach Hause, da wir pünktlich zu den Fiestas in Cucaita wieder da sein wollten.
In diesem Urlaub lernten wir eine Menge Strände, einen anderen Akzent (die Costeños verschlucken gerne das halbe Wort und besonders bevorzugt das 's'), eine ganz andere Auffassung von Hitze und natürlich mehr von der kolumbianischen Kultur kennen.

~ Wort des Tages: 'Perico'. Dieses Wort hat, allerdings nur in Kolumbien, eine Vielzahl an Bedeutungen. a) Espresso mit Milch, b) Rührei mit Tomate und Zwiebel und c) Wellensittich. Wenn mich jetzt jemand fragt, ob ich perico möchte, was kriege ich dann?

Hasta luego, 
Karla 


Damit ihr auch eine Vorstellung davon habt, wo wir waren.

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Feliz Navidad

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest, wo auch immer ihr euch gerade aufhaltet!

Nicht bei mir, sondern Alix zu Hause.
Ein voll verwirrend unweihnachtliches Bild.
Ab dem 27.12. werde ich erst einmal an die viel zu heiße Küste verreisen, über die Feiertage habt ihr also ein bisschen Ruhe von mir.

Hasta luego,
Karla

Montag, 21. Dezember 2015

Alltag der Micky Maus

Guten Nachmittag!

Ups, anscheinend habe ich in den Ferien doch nicht so viel Zeit zum Schreiben wie gedacht...
Hier war aber auch eine Menge los.
Bevor ich davon anfange, will ich euch aber nicht das beste Foto vom Grado vorenthalten, das hatte es auf mysteriöse Art und Weise nicht in den letzten Eintrag geschafft.



Mit Micky Mouse und Papá Noël in den Kindergarten

Dieses Foto muss vorangestellt werden, es ist so cool.

Weihnachtsmann und Micky Mouse auf ihrem allfreitäglichen Spaziergang durch Cucaita.
Yulys Onkel verteilt jedes Jahr zur Weihnachtszeit Geschenke an die Kindergartenkinder Cucaitas. Warum? Das fragte keiner. Ich zwar schon, aber eine eindeutige Antwort konnte mir keiner geben.
Vorletzten Freitag schmissen sich Cousins und Cousinen also in ihre besten Kostüme und alle marschierten zwei Straßen weiter zum Kindergarten. Die Kiddies waren be-geis-tert von der gigantischen Maus, da konnte der altbekannte Weihnachtsmann nicht mithalten.
Jedes Kind wurde einzeln namentlich aufgerufen und durfte sich sein Geschenk vom Weihnachtsmann abholen. Mal wieder waren die Geschenke strikt nach Geschlecht unterschieden, aber immerhin gab es für unterschiedliche Altersgruppen auch verschiedenes Spielzeug.
Karla verteilte Süßes und entdeckte ihre Passion für die strahlende-Kleinkinder-Fotografie.

Whoaa Weihnachtsmaaann!!

Süßestes. Bild.
Das abgebrühte Geschenketeam.
Noch mehr Glitzer
Am selben Tag fuhr ich mit Marla zur Puente de Boyacá, um die Lichter zu bestaunen. Also, die Kolumbianer haben es ja echt mit Lichtern. Das ist eine riesige Wiese vor der kleinen Brücke, und sie ist komplett vollgestellt mit Schafen, Pilzen, Blumen, Palmen, Windmühlen und Kirchenfenstern aus Lichterketten. Beeindruckend ist das.
Schön?
Ansichtssache.
Sehr kreativ fand ich die Beleuchtung des kleine Bachs, der unter der Puente hindurchfließt.

Der Bach. Sogar mit Boot.


Die Puente mit schwach zu erkennender Karla.
Eine Eisenbahn!

Fiestas de Santa Lucía in Cucaita
Seit Samstag um 9am war hier bis Montag um 2.10am Ausnahmezustand. Teilweise wurden sogar extra für die aus allen Ecken angereisten Besucher neue Parkplätze eröffnet (sprich Äcker dazu umgewandelt). Tagsüber gab es anscheinend auch Programm, das ich allerdings nur sporadisch mitbekam. Eigentlich nur das Radrennen rund um und durch das Dorf, in tausenden Alterskategorien. Der Radsport ist hier wirklich wirklich wichtig.
Die richtigen Fiestas starteten natürlich abends, teils mit tollem Feuerwerk und ging danach mit mich mehr oder weniger begeisternden Auftritten von zwei Live-Bands weiter. Dazu wurde selbstverständlich viel getanzt.
Viel Merengue.
Ich kann jetzt Merengue.

Rechts mein Haus, darüber 'polvora', also Feuerwerk.


Ein Jahr älter
Yuly hat praktischerweise einen Tag vor mir Geburtstag. Ihre Familie bereitete ein Abendessen für uns beide zu und es gab eine Torte, auf die es sogar mein Name geschafft hatte. Das fand ich voll süß. Wir verbrachten einen sehr gemütlichen Abend zusammen, mit viel Essen. Das war quasi meine Feier, denn an meinem Geburtstag selber und auch die Tage darauf lag ich mit Grippevirus im Bett.
Am Freitag ging es mir etwas besser, also wohnte ich mit den anderen Freiwilligen einem Konzert in Tunja bei (von Manuel Medrano, Juan Fernando und Andrés Cepedez), das leider etwas langweilig ausfiel. Für uns wohl vor allem, da wir die Sänger nur so ein ganz kleines Bisschen kannten und höchstens zwei Lieder schon einmal gehört hatten.

Ich habe jetzt einen Zweitnamen. Weil den hier jeder hat. Da brauchte ich auch einen, meinte Yuly.
Unsere torta! Mit typischen Getränken im Hintergrund.


Karla und Yuly, natürlich in Ruana.

Beten, singen, essen
Gestern lud mich meine Kollegin Alix zu sich nach Hause ein, der 'Novena' beizuwohnen. Das ist ein vom 16. bis zum 24. Dezember stattfindendes Event, bei dem sich die Familie (oder auch Nachbarn) allabendlich in einem Haus vor dem blinkenden Fake-Tannenbaum versammelt. Dann werden religiöse Texte vorgelesen, an den passenden Stellen gebetet, zwischendurch von Rasseln begleitete Lieder gesungen und geschmunzelt, wenn Karla vorliest, weil sie nach deutscher Manier die Kommata beachtet. Ist dieser Teil abgeschlossen gibt es Essen. Traditionell wären buñuelos und natilla (frittierte Teigbällchen und süßer Pudding), bei Alix gab es aber zu meiner Erleichterung Kakao, Käse, Pan de yuca und Almojábanas (beides 'Brötchen' mit Käse im Teig).
Jetzt kenne ich quasi ihre gesamte Familie und soll am 24. vorbeikommen. Das kann ich natürlich nicht bringen, Heiligabend werde ich hier in Cucaita mit meiner eigenen Familie verbringen. Aber super, wie schnell einen alle in ihren Kreis aufnehmen.


~ Wort des Tages: „alambra de púas“. Das heißt Stacheldraht. Ich bin letztens mit meiner Tasche an einem hängen geblieben, aber das nur so nebenbei. Ich liebe es einfach, solche unnötigen Worte zu lernen.

Hasta luego, Karla

Montag, 7. Dezember 2015

Gibt es im Winter Pinguine?

Glitzerndes hallo euch allen!

Glitzernd deshalb, weil gerade ganz Kolumbien durchdreht und alle alles mit bunten leuchtenden Weihnachtsaccessoires dekorieren müssen. Gestern Nachmittag kam meine Familie nach Hause und plötzlich wuselten die sieben Personen eifrig durch unser Wohnzimmer, verschoben Möbel, behängten das Weihnachtsbäumchen mit goldenen Kugeln, hängten diese wieder ab und ersetzten sie durch bunte, entschieden sich bestimmt drei Mal um, wo es denn nun stehen soll, beklebten Türrahmen mit Goldband und begruben den Esstisch unter Krippenspielfiguren und Girlanden (für die Treppe). Das alles bei Salsamusik. Von außen kann man unser Haus nun mit einer Minidisko verwechseln.
Wir sind damit allerdings spät dran. Als ich vor drei Wochen in Duitama war, hatte Edwards Mutter bereits ausnahmslos alle Türklinken des Hauses mit Weihnachtsmann-, Elf- oder Rentiertürklinkenanhängern verschönert und auch gleiches mit den Stuhllehnen angestellt.
In den Dörfern werden zudem riesige Figuren aus Lichterketten aufgebaut – hier in Cucaita haben wir sogar eine mannsgroße Ananas!

Weihnachten kann kommen.
Die Weihnachtszeit in Kolumbien ist eine einzige Party. Dieses Wochenende fand eine dreitägige Fiesta in dem noch kleineren Nachbardorf Sora statt, nächsten Freitag beginnt das Gleiche in Cucaita, ab dem 16. sind noch größere Fiestas mit Auftritten richtig bekannter Künstler in Tunja und Anfang Januar sollen die fettesten Parties des Jahres in Duitama und Cucaita abgehen.
Gut, dass ich Ferien habe.

In der Weihnachtsbäckerei
Laura hatte Keksteig, Förmchen und Streusel aber keinen funktionierenden Ofen.
Yuly und ich hatten Zeit und einen sehr gut funktionierenden Ofen.
Ihr seht, worauf das hinausläuft.
Laura kam also herüber zu Yuly und gemeinsam mit Milena erstellten wir unglaublich kreative und umwerfend schöne Plätzchen. Sogar den merkwürdigen Gasofen bekamen wir in den Griff.
Erfolgreich deutsche Tradition beibehalten und verbreitet!
Die Familie García war recht angetan von dieser Aktivität und dem Ergebnis. Nächstes Mal versuchen wir uns an Vanillekipferl.

Yuly konnte sich sehr für das Ausstechen begeistern. ©Laura
©Laura
Verzieren.                   ©Laura
©Laura
Laura, Yuly und Milena beim sich-kreativ-Austoben.         ©Laura
©Laura
Voll stolz, mit unserem fertigen Werk.                ©Laura


US-amerikanisch angehauchte Graduación
Am Freitag schmiss sich Karla zur Abwechslung mal in Schale und wohnte gleich zwei graduaciones, also feierlichen Zeugnisvergaben bei.
Zuerst in meiner Schule, mit 47 Graduantes. Sie trugen alle Roben und diese speziellen Hüte (gibt’s dafür einen Namen?). Das Einlaufen fand ich gut – jeder wurde einzeln aufgerufen und lief dann mit Eltern oder Elternteil über den roten Teppich bis zu seinem/ihrem Platz. Darauf folgte erst einmal eine einstündige Messe mit dem Dorfpastor. Darauf folgten Worte aller möglicher Menschen (Lehrer, Schülerinnen, Bürgermeister, Direktor). Darauf folgte endlich die Vergabe der Zeugnisse. Hierzu lief man einzeln auf die Bühne und nahm das Dokument inklusive Geschenkchens des Bürgermeisters von einem Lehrer/dem Direktor/einem Polizisten entgegen. Warum der Polizist das machte, wusste keiner so genau und fand nicht nur ich komisch.
Nach der Zeremonie ließen die Lehrer die (Ex-) Schüler und Eltern Fotos machen und verzogen sich selbst ins Zimmer des Direktors, wo es Wein, Käse und Wurst gab.

Laura und ich hatten eine halbe Stunde zum Mittagessen, dann ging es bereits mit dem Bürgermeister weiter zum grado an Lauras Schule in Pijaos. Das ist ein Dörfchen oben auf einem Berg. Auf diesem Berg ist es verdammt kalt. Wir durften genau die gleiche Messe wie am Morgen noch einmal erleben, da der Pastor natürlich der selbe war wie an meiner Schule. Fantastisch.
Hier graduierte die beeindruckende Anzahl von neun Schüler_innen. Da also alles etwas familiärer gehalten war, wurden wir beide als 'deutsche Delegation' auf die Bühne zu den Lehrern geschleppt, wo wir herumsaßen und später vom Bürgermeister als Geschenkübergeberinnen eingesetzt wurden. Auf diesen offiziellen Teil folgte noch Kuchenessen und Champagnertrinken in ausgewählter Runde, dann holperten wir im Jeep des Bürgermeisters wieder zurück ins 'warme' Heimatdorf.

Ganz festliche Aula.

Einmarsch.


Sogar gefilmt wurde die gesamte Zeremonie.

Grado 11 mit Lehrern und Karla.

Ganz vorne in der Kirche in Pijaos.                ©Laura

Dorfparty
Wie bereits erwähnt war am Wochenende fiesta in Sora. Genau genommen gibt es den gesamten Tag Programm mit Auftritten, ich ging mit Laura und ein paar Freunden aber wie die meisten nur nachts hin. Das Ganze fand auf dem Dorfplatz Soras statt und für so ein winziges Dorf waren wirklich viele Leute da. Manche kamen sogar aus Bogotá.
Die Musik war teilweise nicht ganz meins ('norteña'), aber witzig war's schon und poco a poco lerne ich mehr tanzen.

Las luces en Sora.                                 ©Laura
Las fiestas en Sora.                                 ©Laura

Den gestrigen Sonntag verbrachte ich mit Daniel in den Dörfchen Tinjacá und Sutamarchan, wo es sehr leckere Arepas gibt, warm ist und absolut nichts los ist. Also einfach Fotos:

Das ruhige Dorf Tinjacá.


  ~ Wort des Tages: 'pingüino'. Nicht schwer zu erraten, das heißt Pinguin. Ich muss es hier erwähnen, weil ich mit Daniel letztens über die Jahreszeiten geredet habe und er mich ganz unschuldig fragte, ob es im Winter in Deutschland Pinguine gibt.
Lachflash.

Hasta luego,
Karla

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Was macht Karla da drüben eigentlich?

Buenas ihr Lieben!

Weil gerade Ferien sind und mein alltägliches Leben somit vorerst ein Ende hat, werde ich euch jetzt von ebendiesem erzählen.


5:20
Handy schrillt los, Karla haut drauf und schläft weiter.

5:30
Handy meldet sich wieder, diesmal muss Karla aufstehen. Unter die eiskalte Dusche und so schnell wie möglich wieder raus. Bett und mich fertig machen.

6:20
Karla tapst die Treppe herunter, begrüßt ihre Gastmama und bekommt auch sofort Frühstück serviert (woraus das besteht wisst ihr ja schon).

6:50
Auf geht’s ins colegio. Abstecher zum Dorfbäcker, wenn gerade kein Obst im Haus ist (was öfters vorkommt). Dort wird Karla inzwischen herzlich mit „Buenos días, profe“ gegrüßt.

6:55
Ankunft in der Schule, meist als eine der ersten Lehrer_innen. Erst einmal fleißig das Wi-Fi ausnutzen, bis gegen 7:05 (also fünf Minuten nach Schulbeginn) die Lehrer_innen eintreffen und Karla mit 'ihrem' Lehrer bzw. 'ihrer' Lehrerin in den Unterricht marschiert.
Dort steht sie dann vorne an der Tafel herum und hat je nach Thema und Klasse mehr oder weniger zu tun. Manche Lehrer setzen ihre Assistenz so ein, wie sie gedacht war – herumgehen und Fragen beantworten, Texte vorlesen und das, was Karla am liebsten macht: Aufgaben korrigieren.
Eine Lehrerin überlässt ihr stets den gesamten Unterricht, sodass beide neunten Klassen Dienstags je eine liebevoll vorbereitete Stunde mit profe Karla haben. In diesen Klassen klappt der Unterricht gut und macht Spaß, da (fast) alle sehr interessiert mitarbeiten.

9:00
20 Minuten Pause. Jetzt kann man
  • sich in die Lehrercafetería begeben und bei einem Tinto oder Aromática (quasi Tee) mit den Kollegen quatschen
  • den Laptop auspacken und sowohl E-Mails als auch den aktuellen Wechselkurs checken
  • im Lehrerzimmer bleiben, Obst oder Brötchen essen und sich mit Kollegen unterhalten, die selbiges tun
  • sich um Schüler kümmern, die hilfesuchend ins Lehrerzimmer kommen

11:15
45 Minuten Pause. Die Schüler_innen nehmen ihr Mittagessen zu sich, ein paar der Lehrer auch, Karla nicht. Karla macht das Gleiche wie in der kleinen Pause.

14:00/14:50
Schule aus, Karla geht nach Haus'. Dort ist das Mittagessen bereits fertig, da ihre Gastmama immer für viele Menschen kocht, die mit kolumbianischer Pünktlichkeit um eins auf der Matte stehen.

Nachmittags
Meistens Nachhilfe. Jeden Tag außer Montag und Mittwoch geht Karla entweder zu Yuly oder Julián und Alejandro rüber oder Daniel/Camila/Karen kommen hier vorbei. Je nach Sympathie können sich diese 'clases' auf bis zu vier Stunden ausdehnen.
Mittwochs, wenn Zeit bleibt, nimmt Karla einen Bus nach Villa de Leyva für die allmonatliche Geigenstunde, vor der meist noch ein Treffen mit Marla in ihrem Lieblingscafé drin ist.

19:00
Abends werden dann anstehende Unterrichts- und Nachhilfestunden vorbereitet, zu Abend gegessen und mit der Familie gequatscht. Währenddessen läuft natürlich kontinuierlich der Fernseher, dem man aber nicht obligatorisch Aufmerksamkeit schenken muss.

20:30-21:00
Völlig fertig vom Tag hört Karla noch ein bisschen Musik und pennt dann auch sofort ein.


So sieht also mein Alltag aus, wenn ich drei Mal die Woche in die Secundaria gehe.

Montags und Freitags gebe ich in der Grundschule Unterricht, die von der nullten bis zur fünften Klasse geht. Hier gibt es genau genommen keinen Alltag, da alles ganz fantastisch ungeplant spontan beschlossen wird. Ich komme also mit vorbereitetem Unterricht für alle möglichen Klassen an, da ich zwar einen Stundenplan habe, sich aber keiner an diesen hält. Mein Weg führt mich zuerst auf die Suche nach den Lehrerinnen, damit diese genauso verwirrt wie ich herumfragen können, zu wem ich denn heute gehen soll. Nachdem das geklärt ist, führe ich routiniert meine Stunde durch. Wie bereits erwähnt lassen mir die Lehrerinnen komplett freie Hand in der Wahl des Themas, der Vorbereitung sowie der Durchführung dieser. Deshalb präferiere ich das colegio, das ist weniger stressig.
Allerdings finden in der Primaria überdurchschnittlich oft nicht-unterrichtliche Aktivitäten statt. So gibt es zu allem Möglichen fiestas mit Aufführungen und Singen von mindestens drei Hymnen. Nicht selten bringt eine Lehrerin dann Mittagessen für das gesamte Kollegium mit und man verbringt eine (Unterrichts-) Stunde mit gemütlichem Beisammensein, während die Kinder draußen spielen dürfen.
Zusätzlich zur Unterrichtsverminderung trägt bei, dass alle Kinder gehen dürfen, sobald auch nur eine Klasse von ihrer Lehrerin entlassen wird.
Ist außerdem mal eine Lehrerin krank, so muss ihre gesamte Klasse ebenfalls nicht auftauchen, da sie wirklich nur von dieser einen Person unterrichtet wird. Und ab und zu von Karla.

Die paar Schüler, die jetzt noch in die Schule kommen, beim Tischeaufpimpen. Jeder muss nämlich am Ende des Schuljahrs seinen eigenen Stuhl reparieren.

Wenn sich ansonsten entgegen aller Erwartungen freie Zeit auftut mache ich gerne Spaziergänge durch das Dorf, klettere auf einen der zahlreichen Berge hinauf, chille mich lesend in unsere Hängematte, begleite meine Mamá auf ihre organisatorischen Streifzügen, unterhalte mich mit Estefanía (Tochter unserer Haushälterin) oder schreibe Tagebuch.
Man kann sich außerdem immer sicher sein, von quasi jedem gegrüßt zu werden, der einem im Dorf begegnet. Vor allem wenn ich an einer Gruppe Grundschüler vorbeikomme:
estudiante 1: „Hola profe Karla!“
Karla: „Hola.“
estudiante 2: „Hola profe Karla!“
Karla: „Hola.“
estudiante 3: „Hola profe Karla!“
Karla: :|

 ~ Wort des Tages: "cigüeña". Ich finde das ist ein fantastisches Wort. Es bedeutet Storch und kennen lernte ich es, weil Estefanía mich immer wenn ihr langweilig ist total willkürlich gewählte Worte übersetzen lässt. Auf die Weise hat sie schon enorm ihr Englischvokabular erweitert.

Hasta luego,
Karla



Am Sonntag war uns dreien langweilig, also kletterten wir spontan einen Berg bis in die nächste Vereda (Chipacatá) hoch.

Es gibt zwar einen Weg, aber dem folgten wir nicht, das wäre ja langweilig.


Daniel und Yuly.

Karla und Yuly.