Guten Tag und buenos días aus Santiago de Chile!
Herzlich willkommen zur diesjährigen Kolumne mit
unzuverlässiger Taktung und unberechenbarer Länge.
Ich darf euch mitteilen, dass es im chilenischen Sommer
genauso warm und wolkenlos ist, wie erwartet, und dass man in Chile gerne mit
Milch oder Kakteen verglichen wird.
Aber beginnen wir von vorne. Mein Airbnb, in das ich mich
die ersten zwei Wochen eingemietet habe, ist super, aber hat leider keine
Hausnummer, weshalb ich es nur wegen meiner sehr hartnäckigen Taxifahrerin
finden konnte. Sie lief fünf Minuten lang mit mir herum und weigerte sich,
einfach wegzufahren und mich alleine zu lassen, obwohl im Auto noch weitere
Leute saßen. Mit diesem positiven ersten Eindruck von den Chilen:innen betrat
ich also mein Airbnb, das Casa Parcas, welches unübersehbar knallpink gestrichen
ist, aber eben ohne Hausnummer vor sich hinhaust.
In meiner ersten Woche stolperte ich zwischen Unternehmungen
mit anderen Internationals und drei Unikursen fünf Mal zu verschiedenen Läden
von Mobilfunkanbietern, bis mein Handy sowohl angemeldet als auch mit SIM-Karte
ausgestattet war, und stellte in Supermärkten erfreut fest, dass man hier viel
mehr kaufen kann, als erwartet. Also wenn man das Geld dazu hat, denn die Preise
unterscheiden sich im Großen und Ganzen nicht von Deutschland.
Erste Eindrücke von Santiago
- Tagsüber heiß (30 °C) aber aushaltbar, v.a. nachts angenehm.
- Viele Bäume und andere Pflanzen überall dort in der Stadt, wo ich bisher war (Providencia und Zentrum). Ich sehe gut gedeihende alte Bäume, aber auch viele erst kürzlich gepflanzte mit Wasserbeuteln. Alles wird täglich bewässert.
- Alles circa genauso teuer wie in DE (Am teureren Ende: Haferflocken 450g für 1,12 €, Milkatafel fast 3 €; am billigeren Ende: Blaubeeren ½ kg für 3,50€; irgendwo dazwischen: U-Bahn/Busse 80 Cent, unabhängig von der Strecke; kleines möbliertes Zimmer 200-400 € pro Monat)
- Viele Fahrradfahrer mit Helm (es gibt eine Helmpflicht)
- Vegetarische und manchmal sogar vegane Optionen vorhanden, v.a. bei Sandwiches und Empanadas.
- Man kann das Leitungswasser trinken! Was ist das denn für ein Luxus?
- Bisher sind alle erstaunlich pünktlich.
- Alle Leute, mit denen ich bisher zu tun hatte und die nicht bei einem Telefonanbieter arbeiten, sind sehr liebenswürdig und hilfsbereit.
Unternehmungen mit
den Internationals
Am Dienstag wurden wir Austauschstudis feierlich von meiner
Uni, der Pontificia Universidad Católica de Chile (kurz UC oder PUC),
willkommen geheißen. Neben den üblichen Redebeiträgen trat auch die
folklorische Tanzgruppe der Uni auf und begeisterte mit aufwendigen Kostümen
und Tänzen unterschiedlicher Regionen.
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| Der erste folklorische Tanz - mit Leuchtmasken! |
Danach trabten wir weiter in eine Bar, wo es Empanadas und
Lärm gab, und ich mich mit Leuten aus den USA, der Schweiz, England, Chile und
natürlich Deutschland unterhielt. Alle sprechen wirklich gut Spanisch, weil die
Uni mindestens B2-Niveau verlangt. So weit, so unaufregend.
Einen wirklich schönen Ausflug starteten wir am Samstag: Es
ging auf den Hausberg/Haushügel Santiagos, den Cerro San Cristóbal. Dieser
Hügel ist ein einziger gepflegter und bewässerter Park mit Radwegen und
Seilbahn. Hunderte Chilen:innen nutzten den freien Tag, um in schnittiger
Fahrradkleidung den Hügel hochzustrampeln und oben entdeckten wir witzigerweise
Menschen auf stationären Fahrrädern unter Bäumen, die gerade an einem
Spinning-Kurs teilnahmen. Ein paar Meter weiter tanzte man im Rahmen eines
Zumbakurses zu Reggaetón. Das Wichtige an so einer Hügelbesteigung ist
natürlich die Aussicht, also hier bitte schön:
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| Aussicht vom Cerro San Cristóbal |
Am Donnerstag ist dann ein gemeinsamer Besuch in einem
Katzencafé geplant.
Stundenpläne für
Fortgeschrittene
Am Mittwoch ging die Uni los. Am Donnerstag lernte ich, dass
einige Kurse erst im zweiten Bimester anfangen (ab Mai) und dass es so etwas
überhaupt gibt.
Von den vier gewählten Kursen finden also aktuell nur zwei
statt und in einen dritten habe ich mich mal probeweise gesetzt. Jeder davon
dauert allerdings auch 2,5 h am Stück und wenn ich das richtig sehe, besteht
die erste Lektüre für Planificación del Desarrollo Urbano bis Donnerstag aus
144 Seiten. Vielleicht sind erst einmal weniger Kurse gar nicht so schlimm.
Dazu kommt, dass über das Semester hinweg Prüfungsleistungen erbracht werden –
die ersten Essays sind in zwei Wochen fällig.
Ansonsten ist mein erster Eindruck von meinen Kursen gut.
Die weiblichen Profs verstehe ich sehr gut, der männliche Prof spricht nur
maximal die Hälfte der Buchstaben jedes Worts aus und nutzt viele chilenische
Redewendungen/Wörter, was mir das Verständnis deutlich erschwert. Es handelt
sich hier aber immerhin um das Fach Gestión Ambiental Urbana (Städtisches
Umweltmanagement) und in der ersten Stunde ging es um ziemliche Basics, nämlich
die dreifache planetare Krise. Der Inhalt ist mir also nicht neu.
Meine Kommiliton:innen haben zum allergrößten Teil bereits
gearbeitet bzw. tun das noch immer, sind also zur Abwechslung u.a. älter als
ich. Ein Magíster hier kostet eine ganze Stange Geld und entsprechend
aufmerksam sind auch alle im Kurs. Wir sind wenige: In Gestión Ambiental Urbana
sind wir zu elft und in Planificación undsoweiter sage und schreibe drei Studentinnen plus die Professorin.
Apropos Frauenpower.
Día de la mujer am 08.
März
Am Sonntag marschierte ich von 11:00 bis 13:30 mit 40.000-500.000
(die Spannweite der Angaben ist wie immer riesig) weiteren Frauen über die zentralste
Straße Santiagos, denn es war Weltfrauentag. Der Feminismus wird hier sehr
großgeschrieben und die Teilnehmerinnenzahl war besonders hoch, da der 8.3.
dieses Jahr auf einen Sonntag fiel. Laut, mit guter Stimmung, spitzen
Plakatsprüchen, Kraft, um auf Bushaltestellen zu klettern und justifizierter
Wut schritten die chilenischen Frauen von Baquedano bis Los Héroes. Zwischendrin
Tanzgruppen, die trotz der sengenden Sonne durchgehend performten, und
Vertreterinnen der zwei größten Fußballclubs des Landes (Colo-colo und „la U“,
für Universidad de Chile), die ihrerseits stark Stimmung machten. Es war ein
tolles Erlebnis.



Neben Themen wie Femizid, Abtreibung und Ungleichheit wurde auch mit einigen Plakaten und Sprechchören auf die Bedrohung durch den heute, am Mittwoch den 11.3., sein Amt antretenden neuen Präsident José Antonio Kast hingewiesen. Er ist politisch sehr rechts eingestellt und versteht sich gut mit Trump in den USA, Milei in Argentinien und Bukele in El Salvador…
Ein paar
Fotos meines Airbnb-Gartens
Einfach, weil ich riesiger Fan bin. Hier lebe ich noch bis Sonntag, dann ziehe ich in eine WG um.
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| Ist das eine Kletterwand da links, fragt ihr euch. Ja. Ja das ist eine Kletterwand. |
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| Da es im Sommer eher nicht regnet, ist man mit Sukkulenten im Garten gut beraten. |
Saludos,
Karla
~ Ausdruck des Tages: Ella/Él es muy buena leche & Ella/Él me
da buena espina. Wörtlich: Sie/Er ist gute Milch & Sie/Er macht den Eindruck
eines guten Stachels (Referenz zu Kaktusstacheln). Kann man genauso gut auch
negiert benutzen und sagt einfach aus, dass jemand cool und vertrauenswürdig
ist (bzw. negiert eben nicht).