Mittwoch, 28. Oktober 2015

Extreme Erfahrungen

Guten Tag euch allen,

ich habe einen fantastischen Urlaub hinter mir, an dem ich euch natürlich teilhaben lassen werde.

Am Dienstag morgen fuhren wir fünf Freiwilligen mit dem Bus aus Tunja los. Als wir ein paar Stunden später bei einem Zwischenstopp ausstiegen stieg die Laune deutlich, denn – whoa, Sommer! Wärme! Da kamen gleich Urlaubsgefühle auf. Nachmittags in San Gil angekommen, bezogen wir erst einmal unser Sechserzimmer in dem sympathischen und sehr schönen Hostel 'Bacaregua' und hießen Dominik (anderer Freiwilliger) willkommen, der erst dort zu uns stieß.
Hier ein Eindruck des Hostels. Ich finde es total super.



Am nächsten Tag wurden wir pünktlich (!) um 10am am Hostel abgeholt und im Minibus zum Fluss Suarez gebracht. Dort kann man nämlich Rafting machen, das ließen wir uns nicht entgehen. Mich begeisterte schon auf der Hinfahrt die umliegende Natur. Überall krass grüne Berge mit exotischen Büschen und Bäumen. Angekommen und mit Schwimmweste sowie Helm und Paddel ausgestattet, machte uns ein Guide erst einmal mit seiner halbstündigen Sicherheitseinführung Angst. Er sprach wirklich jedes Szenario durch (rausfallen und festhalten, rausfallen und nicht festhalten, rausfallen mit Paddel, rausfallen ohne Paddel... Ich glaube es wird klar).
Eine Ewigkeit später durften wir todesmutig in unsere Schlauchboote kraxeln und lospaddeln. Eigentlich ist das Ganze idiotensicher – man sitzt an seinem angewiesenen Platz auf dem Rand des Bootes und paddelt vorwärts bzw. rückwärts bzw. hört auf zu paddeln, wenn der Guide hinter einem es befiehlt. Und wenn man droht, herauszufallen, krallt man sich an einem Seil fest.
Ich weiß nicht, warum Menschen es so toll finden, in einem mit Luft gefüllten Plastik-Gummi-Gefährt von Stromschnellen herumgewirbelt zu werden und dabei jedes Mal beinahe herauszufallen. Aber Fakt ist – es macht total viel Spaß. Ehrlich.
Zu unserem Entzücken durften wir alle zwischendurch, auf einer ruhigen Etappe, schwimmen gehen. Sehr entspannend, sehr erfrischend. Außerdem konnten wir so endlich vernünftig die Landschaft bewundern. Die kann ich gar nicht in Worten beschreiben und auch nicht auf Fotos festhalten. Jedenfalls grün bis zum Gehtnichtmehr, total unberührt und eine unglaubliche Ruhe ausstrahlend.


Karla unten links.
Schwimmen in der braunen Suppe.
Artistisches Reinspringen in die braune Suppe.

Da hinten werden wir gerade herumgeworfen.
Der folgende Tag begann mit einem leckeren Pfannkuchenfrühstück in dem halboffenen Innenhof des Hostels.


Gegen Mittag taten wir uns eine 1,5 stündige Busfahrt zu den Wasserfällen Juan Curí an. Antun deshalb, weil die Strecke eine einzige Baustelle ist und wir herumgeworfen wurden wie Kieselsteine. Es folgte eine halbstündige Wanderung durch Hitze und grüne Wälder. Dann waren wir endlich da. Fantastisch. Seht selbst.

Auf dem Weg zu den Wasserfällen.

Es mutet urwaldig an.

Cascadas de Jaun Curí.


Viel zu schön!

So etwas hat man in Deutschland einfach nicht. Ich war ziemlich begeistert.

Abends ging es mit dem Bus weiter nach Bucaramanga, einer größeren ebenfalls warmen und für Extremsport bekannten Stadt.
Das Hostel 'Kasa Guana' kann sich schönheitstechnisch nicht mit dem vorherigen aus San Gil messen, hat aber eine coole Dachterrassenbar mit vegetarischen Empanadas und gratis Billardtisch (!). Da chillten wir dann abends nach hart erkämpftem Abendessen (hier isst man halt nicht wirklich zu Abend, deshalb hat fast alles zu).

Der Freitag begann wieder mit Pfannkuchen, für die wir extra Eier und Mehl im Bus mitgenommen hatten. Unseren ursprünglichen Plan, Paragliding zu machen, mussten wir wegen zu vielen Wolken auf Samstag verschieben. Stattdessen fuhren wir in den Park Chicamocha.
Dieser ist ein sehr touristisch aufgemachter Berg (mich erinnerte er ans Phantasialand) mit Restaurants, Trampolins und sogar einem Wasserpark. Das Ganze umgeben vom Canyon Chicamocha.

Wir sechs vor dem Canyon Chicamocha.
Karla ist die Auffallende.
Fand ich persönlich zwar hübsch, aber da haben mich die Wasserfälle doch mehr umgehauen. Es ist eben einfach überall Berg mit Schlucht. Für die wohlhabenden Touristen gab es zudem Attraktionen wie eine Riesenschaukel, unter der es 200m runter geht und eine Seilrutsche über selbigem Abgrund.

Mit drei Stunden Schlaf, weil wir am Freitag Abend noch weg waren, ging es Samstag in die Lüfte. Das Wetter spielte mit und wir alle durften 20min lang paragliden.
Es ist überraschend unspektakulär.
Man sitzt einfach auf keine Ahnung wie vielen Metern Höhe in diesem Gefährt herum und hat das Gefühl, sich mit 2 km/h vorwärtszubewegen. Was man natürlich nicht tut, weshalb mein Kopf nach zehn Minuten auch entsprechend verwirrt war und mir den Rest des Flugs etwas schlecht war.
Aber die Aussicht ist super. Auf die gesamte Stadt Bucaramanga, den daneben liegenden Wald, die anderen Paraglider und gigantische Grundstücke von Leuten mit zu viel Geld.
Insgesamt war das paragliden eine interessante Erfahrung und optisch auf jeden Fall den Schwindel wert. Das Rafting fand ich allerdings spaßiger.
Nach dieser letzten Aktivität ließen wir uns alle erschöpft in den Bus fallen und holten Schlaf nach. Gegen Mitternacht waren wir zurück im schockierend kalten Tunja.


Bucaramanga mit Paraglidern wie bunte Vögel.

Übrigens hatten wir die letzten drei Tage kein Wasser. Nicht so schön. Gottseidank kam gestern Abend wieder welches.

 ~ Wort des Tages: „incertidumbre“. Dieses Wort heißt Ungewissheit und ich feier es, einfach wegen des 'dumbre'. Auf Kolumbien kann man es insofern beziehen, dass man normalerweise ohne ausgefeilten Plan in den Tag hineinlebt.

Hasta luego,
Karla


Letzte Woche konnte man um die Mittagszeit dieses ungewöhliche Phänomen beobachten. Ein perfekter Kreis aus Licht um die Sonne herum. Leider konnte mir keiner sagen, wie sich das nennt. UPDATE: Es war ein Halo.

Beim Grillen mit Yulys Familie.

Bergbesteigung zum 'Piedra del Sol'. Alle voll fertig. Nach der Hälfte des Weges.

Angekommen am 'Piedra del Sol', also Sonnenfels.

Ich wusste nicht, dass wir hübsche Fotos machen.


Montag, 5. Oktober 2015

Mit Geige, ohne Wasser - mit Feiern, ohne Schlaf


Buenos días!

Es sind Ferien und eigentlich habe ich gar keine Zeit zum Blogschreiben, aber ab morgen bin ich im Urlaub, also muss ich vorher einfach noch berichten, was alles so passiert ist.

In aller Freundschaft
Am vorletzten Freitag begab ich mich wie gewohnt gegen 9am in die Grundschule, bereit, mich der Fünften, Nullten und Dritten zu stellen. Musste ich zu meiner Begeisterung jedoch nicht.
Am vorhergegangenen Wochenende war nämlich der 'día de amor y amistad', also der Tag der Liebe und Freundschaft. Und wenn man schon einmal so einen Tag hat, dann feiert man den auch gebürend. Wenn auch eine Woche später.
Es gab zwei Tanzaufführungen, ein kleines Theaterstück zum Thema Freundschaft und unausweichlicherweise eine Rede des Direktors. Außerdem wurden bestimmt eine Viertelstunde lang Hymnen gesungen. Die Kolumbianer stehen auf Hymnen. Es gibt ja auch für alles und jeden eine. Begonnen wurde mit der Nationalhymne. Easy. Es folgte die Hymne des departamentos (quasi Bundesland) Boyacá.
'Hat NRW eine Hymne?', drängte sich mir die Frage auf. Diese war schnell vergessen, denn nun stimmte man die Hymne Cucaitas an. Cucaitas! Das ist ein 2000-Seelen-Dorf! Man stelle sich vor, mein Dorf Hersel hätte eine Hymne. Witzig. Nun konnte mich nichts mehr umhauen, also hängten die Schüler_innen gleich noch die Schulhymne dran.
Nach dieser Veranstaltung, an deren Ende an alle (inklusive Lehrerinnen und Direktor) Lutscher verteilt wurden, fanden sich alle Lehrerinnen und Karla im Lehrerzimmer ein und aßen zusammen Suppe, die eine Kollegin mitgebracht hatte. Naja gut, für mich gab's einen super Obstsalat, da die Suppe selbstverständlich Hühnchen beinhaltete. Das war ein sehr nettes Beisammensein. Ich wurde fleißig über mein Vegetariersein ausgefragt. Das ist wahrscheinlich das Exotischste an mir hier.
Darauf folgen zehn Minuten Tierpantomime mit den Fünftklässlern und ein bisschen Unterhalten mit selbigen, während zwei Zahnärztinnen Zahnputzzubehör verteilten.
Auf dem Weg über den Schulhof, zurück in mein ruhiges Zuhause, bestürmte mich eine Gruppe Drittklässler (?) und bestand darauf, mir einen Haufen Süßigkeiten zu schenken.

Die Tänzer_innen trugen sogar eigens dafür angefertigte Kostüme!
Anerkennung für besondere Leistungen

Hot 'n cold
Kurz etwas über Kolumbianer beschäftigende Nachrichten. Es gibt momentan eine Meeenge (Wald-) Brände, Dürre und kein Wasser. Es ist einfach in den meisten Teilen Kolumbiens gerade sehr trocken (also hier hat es seit ich angekommen bin geschätzt drei Mal geregnet), das ist normal. Die Brände seien auch normal. Nur das Fehlen des Wassers kann eigentlich nicht sein, denn wie ich vorgestern gelernt habe, ist Kolumbien das sechst wasserreichste Land der Erde (Nummer eins ist Brasilien, Deutschland wird gar nicht erst erwähnt). Dieses Wasserproblem sei allein auf eine miese Politik und Korruption zurückzuführen, sagte man mir.
In anderen Teilen allerdings werden Städte überflutet und im Fernsehen sieht man weggespült werdende Autos und Busse. Sehr sarkastisch.

Berufsmesse auf Basketballfeld
Vor einer Woche, am Montag, fand in der Secundaria die dritte 'feria regional emprenderista' statt, etwas, das ich als eine Art Berufsmesse verstanden hatte. Stellte sich heraus, dass eigentlich nur (sehr süßes) Essen verkauft wurde. Was sagt uns das über die berufliche Zukunft meiner Schüler_innen?
Die Messe wurde von den 10. und 11. Klassen meine Schule San Felipe organisiert (Zwölfte gibt’s nicht), an den Ständen fanden sich zusätzlich noch Kollegen drei verschiedener benachbarten Schulen. Was mir positiv auffiel, waren einmal die Abtrennungen der Stände. Sie bestanden nämlich aus Plastikflaschen. Außerdem gab es einen sehr interessanten Stand, der 'upcycelte' Gegenstände aus Autoreifen verkaufte. Nicht so gut gefielen mir persönlich die 'Tierstände', an denen man lebende Hühnerküken, Meerschweinchen und Kaninchen (zum späteren Verzehr) erstehen konnte.

Oben links ein Gewächshaus aus Plastikflaschen!

Wochenende
Am Freitag fand mal wieder ein Treffen mit Koordinatoren, Mitfreiwilligen und zwei ehemaligen Freiwilligen in Tunja statt. Um 5pm. Ungünstig, da die letzten Busse nach Cucaita um 7pm abfahren und man die laut meiner Familie an einem Freitag Abend auch lieber meiden sollte (wegen alkoholisierter Mitmenschen). Also quartierte ich mich bei Edward, meinem Kollegen ein und wir gingen zusammen gefüllte Arepas essen (ich würde sie schon fast als die kolumbianischen Döner bezeichnen) und danach mit seinen Freunden feiern. So langsam lerne ich auch, die verschiedenen Musikstile zu unterscheiden (also so Salsa, Vallenato, Bachata, Reggeaton...).
Am nächsten Tag fuhren wir mit seiner Mutter und seinem Bruder Daniel nach Duitama, wo wir alle etwas geschafft im Haus herumhingen und ein paar nortamerikanische Serien suchteten. Am Abend ging es mit zwei Freunden Edwards in das nächste Städtchen Tibasossa. Total hübsch! Wir verbrachten einige Stunden in einem Restaurant mit tollem Ausblick, ich brachte allen 'Ich heiße' bei und erklärte die schwierigen drei Artikel der deutschen Sprache. Auf Spanisch, nicht einfach.

Das Rathaus Tibasossas mit allen Bürgermeisterinnen und den zwei Bürgermeistern, die jemals dort im Amt waren. Das Besondere ist nämlich, dass es eben fast nur Frauen waren und sind.
Mit den Bürgermeisterinnen. Ich bin mir der (be-) rauschenden Qualität bewusst.

Mit super Ausblick vom Restaurant.

Neue Klänge
Seit Donnerstag habe ich eine Geige! In Villa de Leyva, wo Marla und Hauke wohnen, gibt es eine Musikschule, die mir einfach eine Violine mitgegeben hat. Unter der Bedingung, dass ich mindestens ein- bis zweimal im Monat am Unterricht teilnehme. Dieser ist kostenlos. Die Geige auch. Da könnte sich Deutschland eine Scheibe von abschneiden! Einzig die Anfahrt ist mir etwas zu zeit- und kostspielig, also werde ich meine Teilnahme an Unterricht und Streichorchester auf ein Minimum begrenzen und lieber zuhause meine Familie mit dem Geigenspiel erfreuen.


Wie schon erwähnt geht es morgen los, das Land erkunden. Zusammen mit fünf der anderen Freiwilligen werde ich zwei Tage in San Gil und zwei Tage in Bucaramanga (nord-östlich von hier aus) verbringen. Diese Orte sind für Schönheit, Wärme und Extremsport bekannt. Davon werdet ihr natürlich hören.

~ Wort des Tages: „chistoso“. Das heißt witzig und man hört es dauernd. Da ich seit dem Kennenlernen der Känguruchroniken eine Tendenz dazu entwickelt habe, übermäßig Vieles mit 'witzig' oder 'nicht witzig' zu kommentieren, kommt mir dieses spanische Wort sehr gelegen.

Hasta luego,
Karla

Ausblick auf die Terrasse, mit Mercy. So heißt unsere Hündin jetzt nämlich. Schwer zu erraten, wessen Vorschlag der Name war.
Ganz normaler Anblick auf einem Spaziergang durchs Dorf.

Mit Milena und Yuly (letztere Nachhilfeschülerin, erstere ihre Schwester)

Mittwoch, 23. September 2015

Unter kolumbianische Kochdeckel gucken (Teil I)

Verschnupftes hallo ihr Lieben,


Wenn ich die kolumbianische Verpflegung in drei Worten zusammenfassen müsste, würde ich mich wahrscheinlich für „Kohlenhydrate, Hühnchen, Saft“ entscheiden. Muss ich aber gottseidank nicht, also hier der erste Teil meines Berichts über das, was mir hier so vorgesetzt wird.

Desayuno (Frühstück)
Wenn ich morgens um sechs die Treppe herunterhüpfe steigt mir schon der Duft gerade erst zubereiteter 'chocolate' in die Nase. Das ist heiße Schokolade und darf in meiner Familie beim Frühstück keinesfalls fehlen. Das Geniale daran: Sie wird nicht wie in Deutschland mit Pulver, sondern mit echter Schokolade in Wasser zubereitet, unterscheidet sich daher positiv im Geschmack. Zum Dippen gibt’s dazu normalerweise 'pan', was eigentlich Brot heißt, aber genau genommen ein (nicht ganz so süßes) Milchbrötchen ist. Ist gerade keines vorhanden, müssen eben Cracker herhalten. Wenn gerade im Hause, liegt daneben ein Stück Käse. Leider ist der Käse hier sehr 'quitschig' und sehr sehr geschmacksneutral. Da versteht man sofort, warum die Kolumbianer sich den vorzugsweise in die chocolate schmeißen.
Nebst dieser Grundlage kann man nun je nach Laune der Gastmutter und Inhalt des Kühlschranks entweder Rührei (mit Tomate, Salz und viel Zwiebel), Suppe (Brühe mit Kartoffeln) oder Obstsalat (ganz super: Erdbeere + Banane + Mango) verspeisen, bevor man das Haus verlässt.
Oh und machmal haben wir sogar Cornflakes oder Müsli (unnötig zu sagen: krass gesüßt) im Haus. Die servierte meine Mutti zuerst immer mit warmer Milch. Da musste ich mich gegen aussprechen, damit kam ich eher doch nicht klar.

Meine erste Mahlzeit in Kolumbien a)
Meine erste Mahlzeit in Kolumbien b)

Unter meinen Kolleginnen und Kollegen bin ich schon als gesundheitsbewusste Obstesserin verschrieen, da ich eben immer Mandarinen oder Bananen mitbringe. Fakt ist aber einfach, dass sich alles andere nicht mitnehmen lässt. Beispiel: Joghurt gibt es, aber recht flüssig und in Plastiktüten.

Almuerzo (Mittagessen)

Das um eins eingenommene Mittagessen ist hier unbestritten die Hauptmahlzeit. Man startet meistens mit einer Suppe – von denen es hier unzählig viele unterschiedliche gibt. Manchmal habe ich auch Glück und die Suppe wird durch einen Obstsalat ersetzt. Von der Vorspeise eigentlich schon gut gesättigt wird einem danach ein riesiger Teller voller Kohlenhydrate serviert. Darauf liegen obligatorischerweise Reis und Kartoffeln – ja, beides – und für die Nicht-Vegetarier (also alle bis auf Karla) irgendein Teil eines Hühnchens. Dazu kann man sogar noch Nudeln essen, gar kein Problem. Oder 'plátanos' (Kochbananen), in längliche Scheiben geschnitten und in viel Öl gebraten. Die sind ziemlich lecker. Wenn danach also noch Platz auf dem Teller ist, erbarmt man sich vielleicht und fügt etwas Gemüse hinzu. Das kann sein
  • Salat (allerdings eher ohne Dressing sondern mit Kräutern)
  • rote Bohnen
  • Mischgemüse aus Erbsen, grünen Bohnen und sonst noch was (in sahniger Soße allerdings)
  • gekochter Kürbis (lecker!)
  • zwei Scheibchen Avokado plus zwei Scheibchen Tomate
Merkt ihr was? Ich vermisse Gemüse...
Einen Lichtblick stellt der zuverlässig dazu gereichte frisch gepresste, bzw. im Juicer zubereitete 'jugo' (Saft) dar. Der kann aus allen erdenklichen Früchten bestehen. Mein Favorit ist momentan jugo de mora. Moras sind in Deutschland nicht bekannt, ähneln aber Brombeeren.

Obstsalat mit Papaya, Mango und Banane
Die berühmt-berüchtigten drei Kohlenhadrate!
Mittagessen - Reis, Kartoffeln, Kürbis und eine Art Kartoffelfladen mit Avokado und Tomate
Jugo de mora!

Nachmittags ist es üblich, ein heißes Getränk zu sich zu nehmen. Bei mir kann man zwischen drei wählen: Tinto, Café und Agua de panela. Kennt ihr nicht? Stimmt.

Tinto: schwarzer Kaffee mit einer Menge Zucker. Den trinken auch die Kinder.
Café: ¾ Milch und der Rest Tinto.
Agua de panela: heißes Wasser, in dem beachtlich viel Panela (kann man sich wie Kandiszucker vorstellen) aufgelöst wird. Also quasi Zuckerwasser. Da kann man sich auch noch Milch dazukippen, dann nennt es sich 'tetero'.

Cena (Abendessen)
Zumeist isst man abends die Suppe vom Mittagessen und trinkt vielleicht noch agua de panela dazu. Im Falle, dass noch mehr vom Mittagessen übrig ist (Reis und Kartoffeln), vernichtet man das eben.
Vorgestern gab es, nachdem alle mit ihrer Suppe fertig waren, frisch gemachtes Popcorn für alle, einfach weil meine Mutter anscheinend Bock darauf hatte. Ziemlich cool.


Ich persönlich kann inzwischen Suppe und Kartoffeln nicht mehr sehen, habe jedoch Reis und seine Vielfalt sehr zu schätzen gelernt und bin nun ebenfalls der Ansicht, dass man ihn zu allem, einfach allem kombinieren kann. Zu Kartoffeln, Kochbananen, Pommes, Suppe, Salat...

Das war ein kleiner Einblick in meinen kulinarischen Alltag, aber wie das eben so ist, kann man noch viel mehr Worte über Essen verlieren und das werde ich auch tun. Erwartet also gespannt Teil II der Essens-Kolumne.

~ Wort des Tages: „afónico“. Mein meistgehörtes Wort gestern. Gesagt habe ich nämlich nicht viel. Das Wort bedeutet stimmlos oder heiser, und genau das war ich. Im Unterricht. Danke Grippe, war lustig. Man kann es sich wie einen Stummfilm vorstellen.

Hasta luego,
Karla

Die Wanted Posters der dritten Klasse
Nach einem Monat habe ich herausgefunden, dass meine Familie ein zweites (zum Verkauf stehendes) Haus hat! Es liegt ca. 5 Autominuten außerhalb Cucaitas und ist auf verfallene Art und Weise sehr hübsch.

Mittwoch, 16. September 2015

Vom Auf und Ab und Ausflügen

Buenos días!

Nun bin ich bereits einen Monat und zwei Tage hier, und mein Spanisch ist immer noch mehr als ausbaufähig. Lustigerweise lerne ich die meisten neuen Wörter im Englischunterricht und bei der Englischnachhilfe. Aber das nur am Rande.

Truckkauf
Vorletzten Samstag fuhren wir (Mama, Papa und Bruder) 3 Stunden lang in die Hauptstadt Bogotá, um nun endlich einen LKW zu kaufen. Und genau das taten wir auch. Weitere. drei. Stunden. lang. Seeehr langweilig. Danach saßen wir eine weitere Stunde in einer Panadería (= sowas wie eine Bäckerei, nur ohne Brot), um den Vertrag aufzusetzen. Ebenfalls etwas zäh.
Einzig für den Stopp bei der Puente Boyacá auf dem Rückweg lohnte sich die Reise – die Hauptattraktion selber, die Brücke, ist wirklich winzig, aber drumherum ist alles schön turistisch aufgemacht.
Zu ihrer Bedeutung: Da wurde 1920 die Unabhängigkeit erreicht. Mehr dazu erzähle ich euch höchstwahrscheinlich im Dezember, da ist nämlich ein Besuch obligatorisch und alles ganz super erleuchtet.


Die süße Puente Boyacá
Feldlauf
Inzwischen bin ich in Cucaita auch ein paar Mal laufen gegangen. Das ist viel spektakulärer als es klingt, glaubt mir. Diese Sportart scheint hier gänzlich unbekannt und ich errege wirklich viel Aufmerksamkeit, auch wenn ich mir die abgelegeneren Straßen aussuche. Als relativ geeignet hat sich die 2km lange Straße in den nächsten Ort Sora herausgestellt, und vor allem in der Stunde vor Sonnenuntergang (sprich zwischen 5pm und 6pm) ist es dort wunderschön. Deshalb hier Fotos:

Sehr einsam gelegenes aber echt hübsches Häuschen zwischen Cucaita und Sora
Genau so einsam, aber inklusive fotogenem Hund

Resignation
Am Freitag war mal wieder Grundschule angesagt. Leider hatte ich trotz Stundenplan nicht die Klassen, auf die ich mich vorbereitet hatte. Naja, inzwischen bin ich ganz gut im Unterrichtimprovisieren geworden. Und genau genommen kann ich auch mit allen das Gleiche machen, da die Klassen sich im Englischniveau nicht krass unterscheiden.
Trotzdem musste ich nach diesem Tag etwas resigniert nach Hause schlurfen. Eine chaotische Doppelstunde alleine mit der Fünften ist eben nicht gerade aufbauend, ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Drittklässler es nicht schaffen, „I'm fine“ fehlerfrei von der Tafel abzuschreiben.
Aus diesem Tag habe ich jedoch viel gelernt, finde ich (mehr als die Kinder auf jeden Fall). Zum Beispiel, dass es echt nicht wichtig ist, wie viele Wörter die Kleinen am Ende mehr können, sondern viel eher, dass sie die Sprache danach ein kleines Bisschen mehr mögen.

Aufschwung
Seit Montag geht es mir schon viel besser in der Primaria. Mit zwei Klassen guckte ich kurze Filmchen zu introductions, was motivationsmäßig Wunder bewirkte. Die Dritte durfte daraufhin Wanted Posters malen, die jetzt ihren Klassenraum verschönern. Für die erste Klasse muss ich mir noch einfachere Spiele überlegen ('Ich packe meinen Koffer' hat sich als Überforderung herausgestellt), aber die Kleinen sind einfach süß. Es ist nicht unüblich, sich hier von den Lehrerinnen mit Küsschen zu verabschieden – und genau das machte dann eben die gesamten Primeros bei mir. Süß. Und anstrengend. Aber süß. Ach ja, ein Fünftklässler hat mir ein Bild (von einem Minion) gemalt. Das verschönerte meinen Tag extrem.

Zusätzlich fand am Montag eine kleine Exkursion der Primaria zum Museum Cucaitas statt. An die Größe des Orts angepasst besteht das Museum aus einem wohnzimmergroßen Raum. Es zeigt anhand von Ausstellungsgegenständen wie Trophäen, Jagdgegenständen, Münzen und vielen Fotos, wie die Vorfahren den Cucaitaner (?) lebten. Danach erklärte ein waschechter Indigener (Chiqui genannt) auf dem Dorfplatz etwas über seine Kultur, mithilfe von Gesängen und Tänzen. Was ich mir davon gemerkt habe: In Kolumbien gibt es 115 indigene Stämme und 68 indigene Sprachen. Schon beeindruckend.

In der Primaria. Ganz diszipliniertes Aufstellen.
Auf dem Plaza. Der Indigene fordert Schüler_innen zum Mitmachen auf.
 Neues aus dem Fragenkatalog der Schüler_innen:
  •  Wie lange fliegt man nach Kolumbien?
  • Wie ist die Ländervorwahl Deutschlands?
  • Hast du facebook?
  • Wie grüßt man auf deutsch?
  • Wie viel kostet ein Ausweis in Deutschland?

Mit Spontanität nach Duitama
Am Samstag fand mal wieder Unterricht statt. Ich ging mal wieder freiwillig hin. Genau genommen hatte ich nur zwei Stunden, also nutzte ich die freie Zeit, um mich in den Spanisch- und den Matheunterricht der Achten einzuschleusen. Spanisch brachte mir überraschenderweise nichts, da dort nur Reflexivpronomen gelernt wurden und ich die schon aus Deutschland kannte. Mathe machte jedoch richtig Spaß – eine Stunde lang Gleichungen auflösen, yeah!
Nach der Schule nahm ich die Mitfahrgelegenheit einer Lehrerin nach Tunja wahr, wo sich mir ein etwas doofer Denkfehler meinerseits offenbarte. Ich wollte mit einem Lehrer (Edward) in die Stadt Duitama fahren, ging aber fälschlicherweise davon aus, am Abend wieder zurückzukehren. Stellte sich heraus, dass das nicht der Plan war. Wir fuhren also trotzdem mit dem Bus nach Duitama, wo Edwards Eltern wohnen, und ich lieh mir Übernachtungssachen von dort. Edward selber war zwar quasi den ganzen Abend auf einem Konzert, aber kein Problem, ging ich eben mit seinen zwei Brüdern und Cousin feiern. Das war wirklich cool und ein bisschen tanzen habe ich auch gelernt.
Am nächsten Morgen ging es trotz Schlafmangel sportlich weiter – in der Residenz, in der sich das Haus der Eltern befindet, gibt es nämlich (nebst Fitnessstudio) ein Squashfeld! Ich habe natürlich den komplett falschen Schlag drauf (dank Badminton), aber Spaß macht das auf jeden Fall.
Um 2pm hatte ich eigentlich einen Termin zur Nachhilfe. Wann war ich zurück in Cucaita? Um 4pm. Normal. Mich als stereotypisch Deutsche mit Pünktlichkeitstick hat das ein wenig fertig gemacht. Aber wenn Kolumbien mich eines lehrt, dann ist es Gelassenheit.

Nicht Fußball, nicht Basketball, nein, Squash spielen in Kolumbien!
~ Wort des Tages: „tener sueño“. Das ist genau übersetzt 'Traum haben' und bedeutet 'müde sein'. Ich denke es ist nicht schwer zu erraten, warum es das Wort/der Ausdruck des Tages ist.


Hasta luego,
Karla


Der Plaza/Parque bei sich verabschiedender Sonne. Mit fotogener Baustelle.