Samstag, 7. Mai 2016

Four Broke Girls

Buenos días,

das vergangene Wochenende verbrachte ich mit drei anderen netten Mädels (Laura, Jule und Miriam) in Sogamoso, einer an sich nicht besonders spektakulären Stadt eine Stunde von Tunja entfernt.
Laura kannte eine grünes entspanntes Fincahostel, in das wir uns einmieteten.

Der Samstag war ein Herumreisetag. Über zwei Busse ging es zum Playa Blanca (jeder Strand, der etwas auf sich hält, heißt anscheinend Weißer Strand) am Lago de Tota. Dieser ist 60km^2 groß und liegt auf einer Höhe von 3015m mitten zwischen Frühlingszwiebelfeldern. Auf der Busfahrt zum See hin konnte man das auch schon riechen.
Der Strand ist müllfrei und wirklich recht weiß. Beworben wird der Lago de Tota auch als 'der See in den Wolken', und genau dieser Fakt seiner Höhe macht die Szenerie so beeindruckend. Sommerlicher Meeresstrand, blaues wellenloses Wasser mit zwei Blautönen, dahinter grüne Berge und direkt an diese geklebt – Wolken. Das alles bei Temperaturen, die mich an Ostsee denken lassen – nicht frierend, aber windig. Uns zuliebe kam sogar die Sonne heraus und wir konnten uns der wärmenden Ruanas für ein paar Minuten entledigen. 

Behind the scenes.

Total deepes Ruana-Meditations-Foto.

"The new avengers" (von links: Thor, Superman, Hulk, Spiderman)

Das süße Cucaita-Team.


Nach Entspannen am See wollten wir den Bus nach Iza nehmen, einem für seine Nachspeisen bekanntes Dorf. Der Transport ließ jedoch auf sich warten, und so liefen wir eben schon etwas den Weg hinunter, vorbei an den obligatorischen Lauchzwiebelfeldern, Vallenato hörenden Familien, Kühe spazieren führenden Frauen in Ruana und Poker (Bier) trinkenden Männern in Ruana. Für mich persönlich war dieser Spaziergang durch das nicht-touristische und sehr authentische Boyacá eines der Highlights des Wochenendes. Diese Menschen leben vom Zwiebel- oder Kartoffelanbau und ein paar Tieren, mitten im Grünen mit Blick auf den See. Jeder uns begegnende Mensch grüßte uns ganz selbstverständlich und freundlich.



Hauptstadt der Lauchzwiebel.


Das Einzige, das wir in Iza taten, war Nachtisch essen. Den gibt es in allen möglichen Geschmacksrichtungen, hat mich aber nicht umgehauen. Schnell ging es wieder ins Hostel, denn dort hatten wir uns eine Yogaklasse auf sechs Uhr gelegt. Nach zwei Stunden dehnen, aushalten und Entspannungsübungen waren wir unglaublich müde und davon überzeugt, dass Yoga nichts für uns ist.
Ich gehe lieber weiter mit Laura joggen.

Der Sonntag begann früh mit einer kurvigen Busfahrt durch das halbe departamento. Wir waren recht müde, aber die sich stetig verändernde wunderschöne Landschaft um uns herum hielt wach. Zuerst zogen sich rechts und links hohe dicht bewaldete Berge entlang, dann konnte man einen kleinen Fluss neben der Straße bewundern, und schließlich wurde es ziemlich kalt und wir kamen in das sogenannte 'Páramo', also Hochmoor. So etwas hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Im Páramo, und auch nur dort, wächst eine spezielle Pflanzenart, die pro Jahr nur einen Zentimeter wächst und unter Artenschutz steht.
Nach ein paar mehr Kurven, abenteuerlichen Schotterpisten und dem Passieren von sich langweilenden Soldaten, denen unser Busfahrer ein 'Daumen-hoch' zeigte, waren wir am Ziel. Von einem Ort in der Nähe Pajaritos aus machten wir uns mit Guide auf den Weg zu Kolumbiens derzeit größtem Wasserfall, dem „Salto de Candelas“. Es ging durch viel Grün, über viele nicht ganz stabil aussehende Brücken und zum Schluss sehr viele 'Stufen' hoch. Entsprechend erschöpft sehen wir auf den Fotos aus, die wir am Wasserfall machten.
Diese vierstündige Wanderung war zwar etwas anstrengend, aber die fantastische Natur drumherum war es wert!


Malerische Landschaft auf der Hinfahrt.
Brücke Nummer eins.
Anfangs noch frisch und gut drauf.

Brücke Nummer zwei. Vertrauenerweckend.


Nochmal Avengers-Pose. Diesmal im Wald.
Die anstrengenden Stufen.
Endlich am Wasserfall.
Die nächste neue Erfahrung ließ nicht lange auf sich warten. Eigentlich hatten wir nur vor, aus dem Hostel auszuchecken um anschließend einen Bus nach Tunja zurück zu nehmen. Es stellte sich aber heraus, dass keine von uns noch Geld hatte, da gerade der Wechselkurs so unvorteilhaft ist. Deshalb hatte keiner abgehoben. Mit den letzten Groschen nahmen wir ein Taxi (die sind ja gottseidank billig) zur Busstation, wo wir hofften, einen Geldautomaten vorzufinden. Fanden wir aber nicht. Also sprachen wir die gelangweilten und sehr hilfsbereiten Polizisten an, sie sollten Laura und Miriam zum nächsten Automaten führen. Jule und ich blieben an der Station und kauften Essen, da wir uns in finanzieller Sicherheit wogen. Das versetzte die zurückkehrenden beiden in leichte Fassungslosigkeit. Sie hatten den Geldautomaten nämlich außer Betrieb vorgefunden. Somit standen wir mit noch weniger Geld da.
Die Situation stellte sich jedoch schnell als viel weniger aussichtslos heraus, als es den Anschein hatte. Jule zauberte einen 20.000er-Schein aus dem Portemonnaie, den wir übersehen hatten. 20.000 Pesos sind ca. 6€, aber hier kommt man damit sehr weit. Bis zum funktionierenden Geldautomaten in Tunja, um genau zu sein.
Somit machten wir die Erfahrung, wie es ist, in fremdem Territorium komplett pleite zu sein.


~ Wort des Tages: „todo está sobre la marcha“. Ist natürlich eigentlich gar kein Wort, sondern ein Sprichwort. Sein deutsches Äquivalent ist 'Uns/mir läuft die Zeit davon'. Und das tut sie. In 11 Wochen muss ich schon wieder in den Flieger steigen...

Hasta luego,
Karla

Dienstag, 26. April 2016

Wie man Trinkjoghurt macht

Buenos días!

Vorletzten Samstag liefen Laura und ich mit einer riesigen knallorangen Milchkanne durch Cucaita zu den Garcías. Sie sollten uns beibringen, wie man Joghurt macht. Das kolumbianische Joghurt ist immer flüssig und zum Trinken, nicht zum Löffeln gedacht. Also lernten wir, wie man dieses herstellt.


Tutorial: Wie man Trinkjoghurt macht

Schritt 1: Erstehe für unglaublich wenig Geld frische Kuhmilch vom örtlichen Kuhbauern. Alternativ kann man auch normale bereits ultrahoch erhitzte Milch aus dem Tetrapack/der Tüte nehmen, habe ich mir sagen lassen. Die Kolumbianer*innen jedoch schwören auf das Produkt direkt aus der Kuh.



Schritt 2: Gib die Milch in einen großen Topf und koche sie auf. Das ist Milch, also gib Acht beim Kochen. 



Schritt 3: Schütte die heiße Milch in eine verschließbare Milchkanne und warte.

Schritt 4: Wenn sie nur noch 'tibio', also lauwarm ist, füge ein Becherchen Joghurt, egal welches, hinzu. Das mag komisch klingen, aber so ersteht der Durchschnittsbürger am einfachsten die nötigen Mikrobakterien zur Joghurtherstellung. Und natürlich umrühren.

Schritt 5: Wickle die geschlossene Milchkanne in eine Ruana ein.
Ok, das geht wirklich nur in Kolumbien.
Nimm einfach eine Decke.
Das Geheimnis ist nämlich, dass das angehende Joghurt gaanz laangsam abkühlt. Jetzt heißt es wieder warten.



Schritt 6: Alles schön abgekühlt? Fantastisch, dann kannst du jetzt nach Belieben eingekochte Früchte (wir nahmen Erdbeeren) und Zucker hinzufügen, sehr gut verrühren und fertig ist der Trinkjoghurt!




Wie ihr seht ist die Joghurtherstellung denkbar einfach, braucht allerdings etwas Zeit. Am schlauesten ist es also, am Nachmittag anzufangen, sodass das Produkt über Nacht vollständig auskühlen kann, und man am Morgen zum Frühstück sein selbstgemachtes frisches Joghurt genießen kann.
Laura und ich waren sehr begeistert von dem Ergebnis dieses minimalen Arbeitsaufwands. Das Beste ist eigentlich, dass man auf diese Weise ein drei-Zutaten Lebensmittel erhält, ohne unnötige Chemie.


Echt kolumbianisches Quasi-Bio-Trinkjoghurt!


~ Wort des Tages: „escampar“. Noch ein Wort, dass es im Deutschen nicht gibt. Es bedeutet, 'sich vor Regen in Sicherheit bringen'. Sehr praktisches Wort, finde ich. Inzwischen auch in Cucaita angebracht.

Hasta luego,
Karla

Mittwoch, 13. April 2016

Gebrauchsanweisung für das Überleben in kleinen Dörfern in Boyacá, Kolumbien

Buenas noches,

ich hatte mal wieder Bock auf mehr oder weniger zusammenhängende Stichpunkte. Hier kommt also die ultimative

Gebrauchsanweisung für das Überleben in kleinen Dörfern in Boyacá, Kolumbien:

  1. Wenn du zu den vielen Menschen gehörst, die nicht von alleine um sechs Uhr morgens aufwachen, stelle dir immer einen Wecker. Auch am Wochenende. Sonst verpasst du den halben kolumbianischen Tag und wenn du um halb zehn gemächlich aufstehst ist der Frühstückskakao, das Duschwasser und die Familie weg.

  1. Duschen ja, lange nein. Wasser ist knapp, also beschränke dich auf drei Minuten.

  1. Wähle deine Kleidung sorgsam aus. Während des Tages werden dir wahrscheinlich alle Jahreszeiten über den Weg laufen, also ist Zwiebelprinzip angesagt. Jeans, Sneakers, T-Shirt, Pulli und (Regen-)Jacke sind Grundausstattung. Morgens ist es kalt, nachmittags total warm, zwischendurch kann es je nach Zeit des Jahres regnen und abends ist es wieder bemerkenswert kalt.

  1. Grüße alle dir begegnenden Leute, aber ignoriere ruhig das Zischen und Rufen der Bauarbeiter (trifft wohl eher auf Frauen zu).

  1. Bestehe darauf, dass du als Deutsche*r immer pünktlich bist und komme dann doch zu spät – sie werden dich sofort als eine*n der ihren annehmen.

  1. Wenn dich jemand auf einen Tinto einlädt, wage es nicht, nein zu sagen. Sie werden dich sowieso früher oder später dazu kriegen.

  1. Lasse dich einladen (auf Tinto, Essen, Bier...) aber vergiss nicht, auch selber großzügig mal was springen zu lassen.

  1. Lerne, mit Gasherden umzugehen und genieße die Geschwindigkeit, mit der alles erwärmt wird.

  1. Wenn gut erwärmt, suche dir einen Lappen oder ein Handtuch, um dich dem Topf/der Pfanne/der Kakaokanne zu nähern. Isolierte Griffe sind nicht existent.

  1. Reagiere gelassen und mit viel Humor auf Deutschlandwitze, die Kolumbianer*innen halten es mit Witzen über ihr Land nicht anders.

  1. Du musst nicht zwingend antworten, wenn dich jemand fragt, wie es dir geht. Das ist die Grußformel. Erst wenn die Person drei Mal direkt hintereinander nachfragt („Hola, cómo estás? Qué más? Cómo te ha ido?“) solltest du ein „Bien“ zurückgeben und alle sind zufrieden.

  1. Verhandle über fast alles und fast überall. Hartnäckigst.

  1. Verabschiede dich von dem Gedanken, dass Cappies nur etwas für Gangster oder Kinder von überbesorgten Müttern sind. Es wird sich herausstellen, dass man die sogar nachts zum Feiern auf dem Dorfplatz zur Schau tragen kann.

  1. Bringe zum Mittagessen Hunger und eine Stunde Pause danach mit. Du wirst sie brauchen.

  1. Ignoriere nicht nur Zischen und Rufen, sondern auch bellende Straßenhunde und Durchsagen des Pfarrers.

  1. Stelle dich auf einen durchgehend laufenden Fernseher ein. Und auf sehr gewöhnungsbedürftige Serien. Und auf total durchdachte spannende Werbung.

  1. Ob auf Ausflügen oder nur der täglichen Arbeit in der Schule, habe stets deine benötigte Ration Klopapier dabei. Das gibt es nämlich auf keinem öffentlichen Klo. Mit ganz viel Glück triffst du ansonsten auf einen Klopapierautomaten, wo du das praktische Baumprodukt für ca. 500 pesos (10cent) erstehen kannst.

  1. Hast du erfolgreich an das Klopapier gedacht, kommt hier die nächste Lektion. Schmeiße nie, ich wiederhole, NIEMALS Klopapier ins Klo. Das würde hier zu sintflutartigen Überschwemmungen und somit, was noch viel schlimmer ist, Wasserverschwendung führen. Wähle also lieber den kleinen Mülleimer neben dem Klo zur Entsorgung aus.

  1. Triffst du dich abends im Dorf mit Freunden, und sagen sie „Komm, wir trinken noch ein Bierchen“, dann kannst du dich auf eine lange und witzige Nacht mit definitiv mehr als einem Bier einstellen.

  1. Stelle dich darauf ein, mit voranschreitenden Monaten mehr Zeit zu haben aber weniger zu machen. Deshalb fiel mir kein guter zwanzigster Punkt mehr ein.


So, das wären ein paar Sachen, die ich euch potentiellen Kolumbienkennenlernern mit auf den Weg geben möchte. Bei dem einen oder anderen Punkt mag ich etwas ins Sarkastische abgerutscht sein, man muss also nicht alles irre ernst nehmen.


~ Wort des Tages: „empapado“. Inzwischen regnet es hier nahezu jeden Tag – was natürlich toll ist – und deshalb habe ich dieses wohlklingende Wort ausgewählt. Es bedeutet patschnass.


Hasta luego,
Karla

Dienstag, 5. April 2016

Kleine Obstkunde

Hallo zusammen!

Heute mal wieder ein Off-Topic Beitrag. Ich erwähnte bereits die unglaublich Vielfalt an Früchten in Kolumbien. Man kriegt nahezu alles, das gesamte Jahr über. Das liegt daran, dass das Land fast alle Klimazonen aufweist und keine richtigen Jahreszeiten hat. Dadurch kommen auch die meisten Früchte aus Kolumbien selbst, nur Äpfel und Birnen werden gerne aus Chile oder den USA oder Frankreich importiert (ich frage mich auch warum Frankreich).
Fünf der Obstsorten möchte ich euch hier vorstellen.


Die Feijoa (fei'hoa)
Auf Deutsch wohl eher Brasilianische Guave oder Ananas-Guave.
Im Aussehen erinnert sie an eine Miniavokado, nur mit unebener Oberfläche.
Typischerweise macht man (vor allem in Boyacá, in anderen „Bundesländern“ ist sie nicht so verbreitet) aus der Feijoa Saft, aber ich finde man kann sie ebenso gut so essen. Außerdem gibt es in dem Dorf Tibasosa eine Vielfalt an Feijoa-Produkten – von Arequipe über Marmelade bis zu Eis und Likör.
Zuerst war ich der Meinung, man müsse sie wie eine Kiwi auslöffeln, aber die Einheimischen meinen, man könne sie auch mit Schale essen. Und das kommt von denen, die Gurken und Pfirsiche schälen.
Laut Wikipedia haben Feijoas einen Geschmack nach einer Mischung aus Ananas und Erdbeere. Naja. Fakt ist, dass sie einen leicht säuerlichen Touch aufweisen und sehr erfrischend schmecken.

Feijoa von außen.

Feijoa von innen.
Die Papaya
Ich bin zu einem richtigen Papaya-Fan geworden! Auch wenn man sie vielleicht ab und an mal in Deutschland bekommt, hier kann man sie an jeder Straßenecke kaufen und das zu einem unglaublichen Preis! Im Obst- und Gemüseladen gegenüber bezahle ich 3000 pesos, also unter 1€!
Der Papayabaum gehört zu den Melonenbaumgewächsen und stammt angeblich aus Mexico. Die Früchte sind riesig, 3-6kg schwer, haben knalloranges Fruchtfleisch und viele schwarze Kerne innen drin. Diese Kerne kann man getrocknet und zermahlen wie schwachen Pfeffer benutzen.
Da sie so preiswert und gesund sind, kaufe ich mir inzwischen öfter Papayas und nehme sie als Obstsalat mit in die Schule. Am besten in Kombination mit Banane.
Papayas beinhalten 357 µg Vitamin B3 und 60,9 mg Vitamin C pro 100g (Vergleich: bei Orangen sind es nur 45g Vitamin C).
Der Geschmack lässt sich als ein bisschen süß und sehr frisch (dank des starken Wassergehalts) beschreiben.

Papaya von außen

Papaya von innen
Die Maracuja/Passionsfrucht/maracuyá
Dieses Obst ist auch in Deutschland bekannt, aber eigentlich nur als Joghurtgeschmack. Als reale Frucht (genau genommen Beere) habe ich sie glaube ich nie im Supermarkt gesehen. Hier ist sie überall zu finden und sehr preiswert.
Drei Monate lang hatte ich nur Maracujsaft getrunken, der war geschmacksintensiv maracujaig und süßlich. Dann probierte ich mal eine pur, und whoa, ist das sauer! Lecker, aber kommt fast an eine Zitrone heran.
Äußerlich ähnelt die Maracuja einer gelblichen kleinen Mango, hat jedoch eine harte Schale und glibberigen Inhalt, sodass man zum Essen einen Löffel braucht.
Ich persönlich bevorzuge die mit Zucker angereicherten Produkte aus Maracuja, da man die Frucht alleine schwer essen kann.
Noch ein paar Fakten: Die Passionsfrucht kommt aus Brasilien, Paraguay und Argentinien, bringt zwischen 30mg und 50mg Vitamin-C pro 100ml mit sich und dient zur Gewinnung von Öl für kosmetische Produkte.

Maracuja von außen

Maracuja von innen

Die Lima
...hat einen coolen Namen und mich im Geschmackstest nicht überzeugt.
Sie kommt daher wie eine grüne Orange und macht sich auch innerlich zu einer Zitrusfrucht. Das schwache gelb des Inneren beschreibt den Geschmack sehr gut – leicht säuerlich, leicht frisch, wie eine Zitrone mit viel Wasser verdünnt. Unspektakulär, finde ich.
Für die Kolumbianer*innen ist die Lima jedoch etwas besonderes, da sie nicht oft zu bekommen ist, wir hatten die Frucht bis jetzt erst ein Mal im Haus.

Lima von außen

Lima aufgeschnitten


Die Cherimoya
...hat definitiv den spannendsten Namen und ist die exklusivste Frucht, die ich hier kennenlernen durfte.
Sie gleicht im Aussehen einem Urmelei und weist ein schneeweißes und weiches Fruchtfleisch auf, gespickt mit schwarzen Kernen. Auch dieses Obst bekam ich erst ein Mal in die Hände, die Cherimoya ist wirklich teuer und selten. Auf normalen Märkten kriegt man die nicht. Meine Familie kaufte sie von einem fliegenden Händler, der Cherimoya-rufend durch die Straßen fährt und nichts anderes verkauft.
Sie kommt aus genau diesem Gebiet hier, sprich Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Peru
Geschmacksbeschreibungen finde ich immer schwierig, aber diese Frucht schmeckt nach Erdbeere und Kiwi, wenn ich mich richtig erinnere.

Cherimoya von außen

Cherimoya von innen

~ Wort des Tages: "ñato". Das bedeutet stupsnasig und ich lernte es beim Lesen meines neuen Buchs, das nervenaufreibenderweise auf spanisches Spanisch übersetzt wurde. Die benutzen wirklich andere Wörter und vor allem die Person 'vosotros' für 'ihr', während man sich hier auf 'ustedes' geeinigt hat.

Hasta luego,
Karla

Montag, 28. März 2016

In der Stadt des ewigen Frühlings

Guten Tag und frohe Ostern euch allen!


Die freien Tage vor Ostern (hier leider nur eine Woche) nutzten alle Freiwilligen zum Verreisen, viele bekamen auch Besuch aus Deutschland. Übrig blieben Johanna und ich, und so entschieden wir zwei Tage imVoraus, nach Medellín zu fahren. Das war eine sehr gute Entscheidung. Medellín ist eine große und moderne Stadt, die den Kampf gegen die Drogenkartelle gewonnen hat und nun als sicher und touristisch gilt. Das kann ich nur bestätigen. Tatsächlich überlege ich seit ein paar Tagen, ob ich nicht ein Semester lang dort studieren könnte.

Aussicht auf das grüne Medellín von der Metro-Station aus.

Wir fuhren über Nacht mit dem Bus, der zwar eine obligatorische Panne hatte und eine Stunde herumstand, aber das störte keinen, wir schliefen einfach weiter.
Morgens um zehn kamen wir in unserem Hostel an, dem Buddha Hostel. Der Name ist Programm. Es liegt in einer ruhigen, familiären und unglaublich grünen Wohngegend namens Laureles und ich habe mich sofort in dieses Viertel verliebt. Das Hostel hat einen gemütlichen Garten/Innenhof mit viel Grün, einem Koiteich und einer Hängematte. Außerdem macht einer der total gechillten Mitarbeiter manchmal einfach so Kaffee und verteilt den an die Gäste.

Wir waren begeistert. 


Gemeinsames Hobby: Cafés ausprobieren. Und Kaffee auch.

Medellín hat eine sehr gut ausgebaute morderne Metro (die über der Stadt verläuft), welche wir viel nutzten.


Nachdem wir uns in einem Café Frühstück gegönnt hatten und uns aufgefallen war, dass hier alle extrem sportlich herumlaufen, marschierten wir die zwanzig Minuten zur nächsten Metro-Station (die ruhige Lage hat ihren Preis) und fuhren ins Zentrum, um uns (spanischsprachige) Bücher zu kaufen. Diese lasen wir anschließend in dem Botanischen Garten Medellíns. Der Eintritt ist kostenlos und der Garten/Park wirklich einzigartig schön! In Deutschland könnte man so etwas nur unter einem gigantischen Gewächshaus finden, aber Medellín wird auch 'die Stadt des ewigen Frühlings' genannt, das bedeutet ganzjährige Temperaturen zwischen 18-28°C. Zwei Mal wurden wir von unserem gemütlichen Leseplatz direkt am See verscheucht. Zuerst wurden wir beinahe von einer pampelmusengroßen namenlos bleibenden Frucht erschlagen, die vom Baum fiel. Dann näherte sich auch noch ein riesiger Leguan. Das war Johanna zu viel. Wir nahmen Reißaus.

Leguane und exotische Früchte zusammen mit der Szenerie der dunkelgrünen Dschungelpflanzen fühlten sich fast nach Amazonas an und wir beide fanden es nicht mehr ganz so schlimm, nicht in den Südzipfel Kolumbiens zu reisen, wo man den richtigen Amazonasregenwald erleben kann.

Regenwald absolut.

Am Montag besuchten wir das Museum Antioquias, in dem man vor allem Skulpturen und Bilder des berühmten kolumbianischen Künstlers Fernando Botero bewundern kann. Beeindruckend fanden wir auch, wie viele der restlichen Ausstellungsgegenständen von Botero selbst gestiftet wurden.
Falls ihr Botero nicht kennt: das ist der, der immer diese dicken schwarzen Figuren gemacht hat. Und eine Affinität für minimalistische Namensgebung an den Tag legte. Sah man die Skulptur einer Frau, so hieß diese „La Mujer“. War es ein Mann, eben „El Hombre“. Das Bild einer kolumbianischen Familie, „La Familia Colombiana“. Stillleben mit Essen, „Naturaleza Muerta“. Auch interessant, dass Stillleben auf Spanisch 'Tote Natur' heißt. 


Fantastischer Innenhof des Museums.
Mein Favorit. Bin mir ziemlich sicher, dass es sich "El pájaro" nannte.



Nach so viel Kultur mussten Johanna und ich erst einmal wieder einen Kaffee trinken. Direkt am Plaza hatte man viel zu sehen, also hielt ich das selbstverständlich fotografisch fest. Bitteschön.

Auf dem Plaza (de Botero) findet man mindestens so viele Skulpturen wie im Museu.m


We all need sunglasses!

Der dritte Tag brachte einen Ausflug in Richtung eines Dorfes mit dem wohlklingenden Namen Guatapé mit sich. Wir stiegen jedoch kurz vorher aus dem Bus, um 'den Stein' zu erklimmen. 'Der Stein' heißt im Original natürlich „La Piedra“ und ist tatsächlich nichts weiter als ein 200m riesiger schwarzer Stein. Er sei durch einen Vulkanausbruch entstanden und heutzutage führen über 700 Treppenstufen auf das 22-Millionen-Kubikmeter-Monstrum. Witzig ist, wie überall schwer atmende Leute die Stufen blockieren und Pause machen. Nicht, dass wir nicht auch welche von ihnen gewesen wären.
Die Aussicht von ganz oben ist fan-tas-tisch. Ringsherum ein zerstückelter Fluss oder ein See, keine Ahnung, ist jedenfalls schön. Überall Wasser und kleine grüne Inselchen darin. Die beliebteste Beschäftigung der Menschen auf dem Berg ist, sich eine der unzähligen Villen unten auszusuchen.
Johanna und ich wissen jetzt natürlich auch schon, welche wir uns kaufen werden, wenn wir reich und berühmt sind.

La Piedra.
Der krasse Aufstieg.

Aussicht auf Guatapé
Und wieder runter.

Unser letzter Tag brach früh an, denn wir hatten uns für eine Pablo Escobar-Tour eingetragen. Medellín war nämlich seine Heimatstadt.
Noe ist Tourguide mit Taxi, und gemeinsam mit zwei Australiern kutschierte er uns drei Stunden lang quer durch seine Stadt und erzählte uns die Geschichte Escobars. Das allererste was er zu uns sagte war, dass er absolut nichts Positives über den Herrn erzählen würde, und daran hielt er sich auch. Zuerst ging es zu einem Bürogebäude mit dem Namen 'Dallas', das Pablo Escobar zur Demonstration seines Reichtums bauen ließ und welches momentan zu einem Hotel umfunktioniert wird. Man kann immer noch sehen, wo seine Feinde („Los Pepes“) eine Bombe platzierten, um ihm ein Zeichen zu senden. Sie wollten sagen 'Wir werden dich finden, und wir werden dich töten'. Genau das hatte Escobar nämlich auch mit ihnen vor, nachdem sie ehemals für ihn gearbeitet hatten. Normal bei den Drogenleuten.
Außerdem zu beachten: Der Name des Gebäudes. Wir alle kennen die Serie 'Dallas' wenigstens vom Hörensagen, es geht um eine reiche und einflussreiche Familie. Mit diesem Bürogebäude in einem der besten Viertel der Stadt wollte Pablo sich und seine Familie also auf eine Stufe mit der Serienfamilie Ewing stellen. 

Weiter ging es zu zwei Einkaufszentren. Die Geschichte dazu geht so: Ein paar 'gute' Männer wollten ein Einkaufszentrum für die Bewohner der Stadt bauen, denn so etwas gab es bis dahin in der Form noch nicht. Escobar bekam davon Wind und wollte Investor werden. Die Männer lehnten dankend ab, sie hätten bereits all das nötige Geld beisammen. Das konnte der Drogenbaron natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Was machte er also? Er baute sein eigenes Einkaufszentrum, aber größer und besser, und das direkt gegenüber des anderen. Wie ein eingeschnapptes Kind.
Glücklicherweise konnte er es nie fertigstellen, da ihm mitten im Bauprozess seine Gebäude und Bankkonten von der Regierung abgenommen wurden. Inzwischen hat diese das umstrittene Gebäude fertiggestellt, und es liegt immernoch gegenüber des ebenfalls fertiggestellten anderen Einkaufszentrums. Nun ist jedoch das andere größer, es wurde erweitert.

Das Taxi fuhr ein bisschen weiter, um uns an einen ruhigen religiösen Ort mitten an einer großen Straßenkreuzung zu bringen. Hier hatte die Stadt eine Statue der Jungfrau Maria gebaut, damit die (natürlich katholischen) Bewohner einen Ort zum Beten und zur Darbringung ihres Dankes hatten. Es war und ist nämlich üblich, eine kleine Steintafel mit einem Satz des Dankes dort zu lassen. Etwas wie „Danke Maria, dass du unsere Gebete erhört hast“.
Nun befand sich diese Statue ganz in der Nähe der Wohngegend der tatsächlich sehr gläubigen Schergen Escobars. Sie kamen also ebenfalls des Öfteren vorbei, beteten und bedankten sich mit einer Steintafel. Bloß stand auf diesen Tafeln denkbar Krasses drauf, bedenkt man, womit sie ihr Brot machten, und schon bald kamen die 'normalen' Leute nicht mehr an diesen Ort. Für über zehn Jahre war der eigentlich für alle gedachte heilige Ort eine Demonstration des Denkens und Handelns der verrückten Handlanger und Helfershelfer.
Erst nach langer Zeit entfernte man die entwürdigenden Tafeln und ließ einen Pastor erneut einen Segen sprechen. Heutzutage ist der kleine Platz wieder ein Ort friedlicher Stille mitten im Stadttrubel.



Das für mich Beeindruckendste zeigte uns Noe danach. Im besten Viertel Medellíns liegt der exklusivsten „Social Club“ (ich bin ja gegen Anglizismen, aber Freizeitgruppe trifft es irgendwie nicht) der Stadt. In diesem wollte Pablo Escobar unbedingt Mitglied werden. Aus nicht ganz unverständlichen Gründen wollte der Club das jedoch nicht. Was machte Pablo also? Er baute sich ein riesiges Wohnhaus gegenüber des Clubs. Es hatte fünf Stockwerke, zwei Pools, ein Basketballfeld und vor allem seinen Namen vorne drauf gepinselt, sodass alle Clubbesucher ihn unvermeidlich immer vor Augen hatten. Er nannte seinen neuen Wohnsitz 'Monaco'.
Unserem kleinen Grüppchen wurde das Privileg zuteil, das verlassene Haus erkunden zu dürfen. Im Erdgeschoss (Keller gibt es hier meistens nicht) befand sich das Parkhaus für ein paar von Pablos 45 Autos. Auch seine 23 Fahrräder fanden wohl dort Platz.

Pablo Escobars Haus. Ich finde es nicht besonders hübsch, aber damals war das so wohl modern.
Eingang.
Riesige private Garage.

Die erste Etage diente als Unterkunft für seine Bodyguards, in der zweiten befand sich seine Kunstsammlung (eine ganze Etage nur für Kunst!), auf der dritten wohnte seine Familie, wenn sie ihn ab und zu besuchen kam und die zwei oberen Geschosse gehörten Escobar selbst. Da oben befand sich auf der Terrasse ein Pool. Die Küche fiel recht klein aus, und Noe erklärte uns auch sofort, warum. Fast jede Mahlzeit wurde aus den nobelsten Restaurants angeliefert, da brauchte man die Küche eher wenig. Im nächsten Zimmer durften wir auch den (inzwischen leider leeren) Safe bewundern. Dieser war so riesig wie ein kleines Zimmer und angeblich bewahrte Escobar dort ausschließlich Gold und Diamanten auf. Wer hat, der hat halt.

Bewohnbarer Safe.

Aussicht auf den Club.

Ursprünglich bestand der Boden des gesamten Gebäudes aus purem Marmor, ebenso wie die Wandverkleidung der zahlreichen Bädern. Doch in den viele Jahren der Verlassenheit ist von alledem nicht viel übrig geblieben. Zuerst schickte die Regierung Suchtrupps durch alle Stockwerke, um die versteckten Reichtümer des Hochkriminellen aufzustöbern. Entsprechend sieht das Haus auch heute aus, überall klafften uns Löcher aus Wänden und Decke entgegen und vom Mobiliar ist nicht das kleinste Höckerchen übrig. Denn nach dem Staat kam die Bevölkerung und bereicherte sich an dem, was von den staatlichen Truppen verschont worden war. Deshalb fehlen an den meisten Stellen die wertvollen Bodenfliesen. Noe erzählte uns das mit einem beschämten Ausdruck auf dem gutmütigen Gesicht. Es sei ihm peinlich, dass die Bürger 'seiner' Stadt sich zu so etwas hinreißen ließen.
Aber ganz ehrlich, kann man es ihnen übel nehmen?


Das Haus war definitiv das Highlight unserer Tour.
Wir bekamen außerdem den Eindruck, dass der Mann alle seine Probleme mit dem Bauen von großen Gebäuden lösen wollte. Sein Gefängnis durfte er sich ja auch selber bauen.

Im Anschluss an das Haus „Monaco“ besuchten wir noch kurz den Friedhof, auf dem Escobar und ein Teil seiner Familie liegen (seine Frau und Kinder führen ein unbeschwertes Leben in Argentinien), und schlossen dort ab, wo eine bewaffnete Einheit seinem Leben ein Ende machte.
Das war so: Pablo wurde verfolgt. Er versteckte sich einige Wochen in einem unscheinbaren Häuschen in einem schönen ruhigen Wohnviertel. Keiner der Bewohner wusste überhaupt von seiner Anwesenheit. Bis er an dem Tag, der sein letzter sein sollte, zwei Fehler begang – er rief seinen Sohn an. Zwei Mal. Dies war mehr als genug, um ihn genau orten zu können und sofort war das Haus komplett umstellt und auch ein Helikopter kreiste darüber. In einem verzweifelten Fluchtversuch kletterte er auf das Dach des Häuschens, sprang auf das nächste und wollte wohl von dort auf die Straße. Da waren natürlich schon Soldaten. Also versuchte er, auf das nächste Haus zu springen. Dort kam er nie an.
Zu diesem Szenario gibt übrigens es ein sehr berühmtes Bild von Botero, welches Johanna und ich natürlich auch im Museum gesehen haben. 

Das Ende Escobars.

Wie man vielleicht an der Länge dieser Beschreibung unserer Tour merkt, haben mich diese drei Stunden sehr beeindruckt. Jedoch ist Pablo Escobar heutzutage eine Figur der Vergangenheit und im alltäglichen Leben des Durchschnittskolumbianers spielt er keine Rolle.
Nur in den Vorurteilen unwissender Ausländer*innen.

Johanna und ich rundeten den Tag mit ordentlichem Geldrausschmeißen in einem riesigen Einkaufszentrum ab. Nachts ging es dann im Bus zurück nach Bogotá, morgens nach Tunja und für mich weiter nach Cucaita.
Heute geht die Schule wieder los.



~ Wort des Tages: „echaopalante“. Findet man in keinem Wörterbuch, da es eine Verschmelzung der drei Wörter „echado para adelante“ ist. Wörtlich will uns das sagen, dass jemand 'für voraus gemacht' ist. Also fleißig, arbeitsam.

Hasta luego,
Karla

Mittwoch, 16. März 2016

Eine Reise vom Schlachtfeld zu Pandeyuca

Hola zusammen!

Die Zahl der Deutschen in Cucaita hatte sich seit Freitag verdoppelt.
Lauras Eltern waren da.

Hardcore-Boyacá-Kennenlerntour
Den Samstag verbrachte ich damit, mit Laura, ihren Eltern und ihrem Gastvater gefühlt vierzehn touristische Dörfer abzuklappern. Zuerst ging es nach Paipa. Das Städtchen selber ist wenig sehenswert, also ging es schnell weiter zu einem beeindruckenden Monument auf dem Lande. Ich weiß nicht mehr wie es heißt, aber nennen wir es einfach das Zwanzig-Tonnen-Monument.
Es stellt eine sehr entscheidende Schlacht zwischen den Kolumbianern und den Spaniern dar. Alfonso, Lauras Gastvater, weiß bestens Bescheid und erklärte uns alles ganz genau:

1819. Unter der Führung von Bolívar kämpften eben die Kolumbianer, beinahe nackt weil arm, gegen die richtig gut ausgestattete spanische Kolonialmacht. Es sah ziemlich mies für erstere aus, und so übergab Bolívar verzweifelt den Feldbefehl dem Oberst Juan José Rondón. Als erschwerend für die Spanier stellten sich die Witterungsverhältnisse heraus – es war nämlich sehr nass. Das machte einmal ihre Schusswaffen unbrauchbar (weil nasses Schießpulver ja eher nicht so effektiv ist) und ließ außerdem ihre schicken Uniformen bleischwer werden. Und siehe da – unter dem Kommando von Rondón gewannen die Kolumbianer, mehr aus Kraft der Verzweiflung als allem anderen, aber sie gewannen. Dieser Kampf ebnete den Weg für das allerletzte Zusammentreffen an der Puente de Boyacá (in Tunja), aus dem der letzte Sieg und damit die Unabhängigkeit des Landes resultierte.

Random fact: Jedes der Pferde wiegt sage und schreibe zwei Tonnen!

Habs nachgeguckt: Monumento de los lanceros del Pantano de Vargas.

Authentizität.

Unser Weg führte uns weiter nach Nobsa, wo ich bei meinem letzten Besuch meine Ruana gekauft hatte. Das wollte Laura nun auch tun. Sie stellte sich wesentlich unkomplizierter an als ich und fand direkt im ersten Geschäft ihre Traum-Ruana. Jetzt können wir immer im Partnerlook durch das Dorf wandern.
In Nobsa aßen wir auch Mittag, und ich bekam den 'Speziellen Vegetarischen Teller'. Der stellte anschaulich dar, was die kolumbianische Mehrheit über Vegetarier denkt. Sie servierten mir einfach einen Berg rohes Gemüse. Salat, Zwiebel, Tomate, Mais. Weil Vegetarier ja nicht mehr essen können.


Auf Nobsa folgte Tibasosa, das Paradies der Feijoa-Produkte, also ein Paradies für Karla. Die Feijoa ist eine Frucht, die ich beizeiten noch vorstellen werde.
Wir bestaunten also Park und Rathaus, aßen ein Feijoa-Eis und suchten ein feijoa-farbenes Armband für Karla. Ich sammle nämlich Armbänder aus allen kolumbianischen Orten, an denen ich gewesen bin. Bis jetzt besteht die Sammlung aus acht Stück.

Parque mit Kirche und Kolonialhaus in Tibasosa.       ©Laura

Letzter Stopp: Pueblito Boyacense. Darüber habe ich auch bereits berichtet, aber es noch einmal bei Tag zu sehen war es definitiv wert. Ich finde es immernoch total schön.
Wegen aufziehender Gewitterwolken und nicht mehr ignorierbarer Müdigkeit aller Teilnehmer machten wir uns gegen fünf Uhr wieder auf den Rückweg. Aber nicht ohne einen Stopp bei der besten Pandeyuca-Bäckerei in Paipa, von wo Laura und ich noch warme Pandeyucas für beide Familien mitnahmen. Pan de yuca wird eigentlich auseinander geschrieben, aber die Kolumbianer finden das „pegado“ ('geklebt') irgendwie schöner. Die Brötchen bestehen aus Weizenmehl und viel Käse, schmecken also „fettig und ungesund, aber richtig lecker“, wie es die Deutschen im Auto beschrieben.

Minidorfplatz im Pueblito Boyacense




~ Wort des Tages: „alienígena“. Das ist Außeriridische*r auf Spanisch. Die Elfer sollten mit vorgegebenen englischen Satzstücken Konditionalsätze bilden. Unter meinen vorgegebenen Worten war auch Alien, ich hatte aber keine Ahnung, wie man das auf Spanisch sagt. Da standen wir mit dem Satz „If Donald Trump was president, aliens would invade the country“.
Die Schüler*innen durften mir anschließend also diktieren, wie man alienigena schreibt. Sie freuen sich immer, wenn sie mir auch mal etwas beibringen dürfen.

Hasta luego,
Karla