Guten Abend,
während in Deutschland alles zu blühen anfängt, hört Karla in Santiago zu schwitzen auf.
| Foreshadowing. Nicht Santiago, sondern Pichilemu. |
Es hat zwar weiterhin erst einmal geregnet und alles Grüne wird weiter kräftig bewässert, aber sobald die Sonne weg ist, kann man die Zwiebelschichten anfangen. Am Donnerstag waren es zum letzten Mal 27 Grad (davor max. 20 °C :o ), ich schiebe wehmütig die kurzen Sachen im Schrank nach hinten und gebe meinem Umfeld endlich Recht - der Sommer ist vorbei.
Genug übers Wetter.
Windig, salzwasserhaltig, empanadagefüllt und ausgeschlafen. Das war mein Kurzurlaub in Pichilemu vorletztes Wochenende. Um entspannte 10:00 Uhr fanden sich am Freitag (03.04.) ca. 30 Internationals und ein paar Chilen:innen im Reisebus zusammen und schliefen 3,5 Stunden lang, bis sie am kleinen für seine surfbaren Wellen hochgepriesenen Küstenort, der "chilenischen Hauptstadt des Surfens", Pichilemu, ankamen. Das Örtchen hat ~14.000 Einwohner, kein Haus ist über zwei Stockwerke hoch und der Strand ist grau-schwarz.
Nach einem Pizza-haltigen Mittagessen schlenderte die Truppe etwas über einen kleinen Handwerkskunst-Markt direkt am Strand, dann gingen wir verwirrt, spontan und ohne Tüten einkaufen, weil später keine Zeit mehr dafür sein würde, und dann setzten wir uns auf Pferde und ritten in den Sonnenuntergang.
Auf der Suche nach Abendessen und während des 20-minütigen Wartens auf meine Empanada mit Käse, Tomate und Oregano ließen wir - und ca. 200 weitere Schaulustige - uns von einem als grüner Narr verkleideten Straßenkünstler unterhalten. Er veranstaltete einen Tanzwettbewerb zwischen bemerkenswert selbstbewussten Mädchen (zwischen 4-10 Jahre alt), mit Mikrofon, Lautsprechern und allem. Alle Teilnehmerinnen durften sich eine Musikrichtung aussuchen, alle wählten Reggaetón und alle lieferten ab. Solch ein Selbstbewusstsein werde ich im ganzen Leben nicht haben. Die Zuschauenden entschieden über Klatschen, wer in die nächste Runde kam. Die Gewinnerin erhielt stattliche 5.000 pesos (5 €). Entertaint und zufrieden mit einer frittierten Empanada (an der Küste frittiert man, im Rest des Landes werden sie gebacken) machten wir es uns darauf noch im Hostel gemütlich und erfreuten uns an der tollen Unterkunft. Dieses Hostel ist wirklich super gepflegt und gemütlich - überall stehen gesunde Pflanzen und Sitzmöglichkeiten herum und im Frühstücksraum gibt es sogar einen kleinen Yoga-Bereich.
| Das Silvestre Hostel in Pichilemu. Es inkludierte auch drei Katzen, von denen eine "Palta" heißt, was das chilenische Wort für Avocado ist. |
In den begab ich mich direkt am nächsten Morgen, denn vor "Surfen um 12:00" gab es kein Programm. Beim Surfen um 12:00 Uhr zwängten wir uns in Neoprenanzüge, bemalten uns im Gesicht mit nicht-wegschwemmbarem Sonnenschutz und ließen uns minimal kurz von Surflehrern aus den unterschiedlichsten Ländern den fünfschrittigen Aufstehplan zeigen, durch dessen Befolgen man easy die Wellen zu reiten hat.
Und rein in den Pazifik.
Ihr müsst mir einfach glauben, dass das stattgefunden hat, denn es gibt tatsächlich keine Fotos von uns beim Surfen. Nach dem ersten Versuch fühlte ich mich schlagartig sehr wach. Der Versuch - und auch die folgenden - bestand hauptsächlich darin, sich von einer Welle vom Brett schwemmen zu lassen, mit der Gelassenheit einer Katze, die in die Badewanne fiel, wieder an die Wasseroberfläche zu kommen und dann mit Salz in den Augen das Surfboard gegen den Wind in Richtung der Gruppe zu tragen. Aber ich hatte irgendwie trotzdem Spaß.
Die Zeit ging super schnell vorbei und ich hätte gerne noch etwas länger herumprobiert und unabsichtlich Salz konsumiert. Aber wir hatten auch alle Hunger, und so bildete ich mit ein paar US-Amerikanerinnen und meinem australischen Mitbewohner eine Mittagessensgemeinschaft. Hier am Meer ist das vegetarische Leben schwieriger als in der Hauptstadt. Viele aßen Fisch, ich aß Pommes mit Spiegelei.
Viel Zeit zum Ausruhen blieb danach nicht, denn es wartete mein fotografisches Highlight: Punta de Lobos bei Sonnenuntergang. Klippen über dem Meer, unter uns Surfer, die bei tiefstehender Sonne weit hinaus gepaddelt waren, um die richtig guten Wellen zu kriegen, und die ikonische Felsformation Rocas de Punta de Lobos, die so heißt, weil manchmal Robben (lobos marinos, wörtlich "Seewölfe") darauf zu sehen sind. Wir waren so früh da, dass wir sogar noch ausgiebig Churros auf den Klippen essen und dabei die Surfenden beobachten konnten, bevor es ernst wurde. Ernst für die folgenden Fotos.
Weil der Tag ja noch nicht lang genug war, ging es danach wieder auf Essenssuche und es wurde die nächste Käse-Empanada verspeist, denn man stärkte sich für den Club. Bisher war ich hier nur auf Salsa/Bachata-Partys und das hier war mein erster chilenischer Club. So mit Reggaetón, der im Laufe des Abends immer mehr mit Techno vermischt wurde, und sehr voll wurde es dann auch. Dementsprechend sieht meine Bewertungskurve des Clubabends auch eher invertiert logistisch aus.
Der Ostersonntag wurde angemessen gemächlich angegangen, aber Mitreisender Jorge ließ es sich nicht nehmen, überall im Hostel kleine Schoko-Ostereier zu verstecken. Ein paar wurden erst später vom Putzpersonal gefunden. Einer spontanen Empfehlung einer Taxifahrerin folgend, setzte ich mich mittags mit einer kleinen Gruppe in den Nachbarort Cáhuil ab. Dort gibt es drei Dinge: eine hübsche Lagune, einen kleinen Kunsthandwerksmarkt und Salinen. Als brave Tourist:innen tuckerten wir also zuerst mit einem Ruderboot etwas über die Lagune, schlenderten dann über den kleinen Markt mit Salz, Seetang, Magneten, Mitbringseln, Manjar (= Dulce de Leche) und mehr Salz, aßen die obligatorische Empanada des Tages, und liefen zu Fuß durch das niedliche ruhige Dorf Cáhuil, über eine Landstraße ohne Fußweg, bis zu einem Aussichtspunkt über einer kleinen Saline. Ein wirklich hübscher ruhiger Ort. Alle kauften brav ein Säckchen Kilo Salz und dann marschierten wir wieder zurück.
Auf der Heimreise im Bus stellten wir fest, dass halb Chile an diesem Tag um diese Uhrzeit nach Santiago zurückkehrte und standen zwei Stunden lang auf verstopften einspurigen Landstraßen herum. Aber davon ließ sich niemand beeindrucken.
| Das muss alles so schräg, für den Vibe. |
| Diese Architektur habe ich hier bisher noch nicht gesehen, aber in Cáhuil standen viele solcher Holzhäuser auf Stelzen. |
| Pittoreske Straße zu der Saline. |
| Die Gruppe ganz lieb vor der Saline. |
| Die Gruppe in komischer vor der Saline. |
| Als letztes noch ein kleiner Eindruck von den Salsa- & Bachatakursen im Park, zu denen ich jede Woche gehe. |
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