Sonntag, 14. Oktober 2018

Die Route nach Latgale



Heute nur eine kleine Ergänzung zu dem vorherigen Eintrag über Latgale. Den meisten wird die Geografie Lettlands eher unbekannt sein (so wie mir bis vor ein paar Wochen), deshalb hier eine kleine Karte, in die ich unsere ungefähre Route eingetragen habe. Das pinke Kreuz stellt unsere Unterkunft Zirga Smaids dar (Ihr erinnert euch? Grinsende Pferde).

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Latgale. Oder auch "Ich seh' nur Seen".


Es ist stressig geworden in der kleinen baltischen Hauptstadt Riga.
Karla schrieb gestern ihre erste Klausur (ja, nach einem Monat Uni, das macht man hier so), kriegt viele Hausaufgaben auf und möchte zwischendurch auch mehr von dem Land sehen. Deshalb missachtete sie die drohende Buchführungsklausur am Montag und schloss sich am Wochenende einer 50-köpfigen Truppe aus Erasmus-Studierenden an, um nach Latgale zu fahren (deutsch: Lettgallen, das klingt nicht so cool). Dies ist eine seendurchzogene Region im Südosten Lettlands, nahe der Grenze zu Weißrussland. Wir fuhren mit einem Reisebus und hielten alle halbe Stunde an, um eine weitere Sehenswürdigkeit zu begutachten. Auf diese Weise sahen wir in kürzester Zeit maximal viel, allerdings empfangen wir das ständige raus-ins-Kalte und das darauffolgende im-warmen-Bus-Einnicken als äußerst anstrengend.

Es ging los um sieben Uhr morgens, und das an einem Samstag.
Sieben. Uhr. Morgens.
Samstag.

Der erste Stopp ist im Nachhinein meine Lieblingsattraktion geworden. Die Sonne war gerade erst aufgegangen und hing noch schwerfällig im morgendlichen Nebel fest. Durch einen kleinen Wald liefen wir zu der Burgruine Kokneses pils, welche an drei Seiten von den Wassern der Daugava umspült wird. Es war ruhig, es war kalt und es war wunderhübsch. Ein paar kleine Fischerboote dümpelten fotogen durch den Dunst. 
Uns wurde leider nur eine halbe Stunde gegeben, dann scheuchte man uns wieder in den warmen Bus. Es ging weiter zu einer Luxustankstelle, wo man uns frühstücken ließ (bzw. war uns das Frühstück gar nicht so wichtig, viel relevanter war der Kaffee).


Karla mit Truppe.


Herbst in Lettland!

Stimmungsvoll! Malerisch! Zauberhaft! Atemberaubend!
Nächster Halt: Eines der vier Naturreservate Lettlands, das Teiĉu dabas rezervāts. Es sieht einfach nur nach Wald mit echt kleinen Bäumen aus, die man von einem windigen Aussichtturm begutachten kann. Es ist natürlich mehr als das, nämlich wichtiger Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Vogelarten inklusive Moor. Unsere Gruppenführerin, Biologiestudentin, erzählte uns von den strengen Auflagen, die es ihrem Land in Bezug auf Bäume gibt. Die meisten darf man nicht fällen und das Reservat zum Beispiel wird von Menschen nicht betreten. Die Letten lieben ihre Bäume.

Weiter geht es nach Rēzekne, einer Stadt mit angeblich über 30.000 Einwohnern. Von denen sehen wir aber nur circa zwölf. Generell ist diese siebtgrößte Stadt des Landes bemerkenswert klein. Wir werden für 1,5 Stunden freigelassen und gucken uns die nächste Ruine an, dann gibt es Mittagessen. Mehr gibt es über Rēzekne leider nicht zu sagen.

Wir klettern auf die Burgruine.

...oder versuchen es zumindest.
Nun ging es richtig in die Natur. Der Bus holperte über unasphaltierte Wege, ringsherum nur grün. Den letzten Kilometer bestritten wir zu Fuß. Das Ziel? Ein weiterer Aussichtsturm. Ein sehr hoher Aussichtsturm (34m), auf dem dritthöchsten.. naja, Hügel Lettlands, dem Lielais Liepu Kalns. Zu allen Himmelsrichtungen lag uns der Nationalpark Rāznas nacionālais parks zu Füßen. Hatte ich vor fünf Sätzen ringsherum grün gesagt? Hier war es ringsherum grün. Überall Bäume. Ü-ber-all. Und ein obligatorischer See. Ich wurde ja vor Lettlands krasser Natur gewarnt, aber diese quantitative Überlegenheit der Pflanzen über Menschen beeindruckte mich. Über die Hälfte des lettischen Territoriums besteht aus Wald.
Als wir mit dem Bus weiterfuhren, schaute ich etwas aufmerksamer aus dem Fenster. Die Landschaft ist geprägt von Seen, Schrebergärtchen, saftig grünen Wiesen und fast keinen Kühen. Die Häuser sind höchstens zweistöckig und oft aus Holz.


Bäume, überall Bäume.
Und wieder guckten wir uns eine Burgruine an. Diesmal in dem Städtchen Ludza, welches ich mir gerne näher angeschaut hätte, aber die Zeit war gegen uns und der Sonnenuntergang nahte. Das besonders Schöne hier waren wieder die zahlreichen Seen, meiner Meinung nach. Es gibt so viele davon, dass den Letten anscheinend die Namen ausgehen. Den großen See östlich der Stadt nannten sie einfach nur Lielais Ludzas ezers – „großer Ludza-See“. Und ja, es gibt auch noch den Mazais Ludzas ezers – den kleinen Ludza-See.

Die Ruine von Ludza und.. Karla.

Es war 19:00 Uhr, als wir endlich in unserer Bleibe ankamen. Aber was für eine Bleibe! Großzügig verstreut lagen auf einem tipptopp gepflegten Rasen sechs Holzhütten. Direkt am was? An einem See natürlich. Zu neunt bezogen wir eine der Hütten und bereits eine halbe Stunde später hörte man von überall her Leute Holz hacken. Der Kamin und der Grill und die Sauna werden ja nicht von alleine warm. Und auch wenn ich das Wort ‚warm‘ benutze – das ist das letzte Adjektiv, das mir zu diesem Abend einfallen würde. Es ist Herbst, das machten uns die Temperaturen deutlich. Mit etwas Wein klang der Tag aus.

Karla hackt Holz.

Der Blick von unserem Balkon aus.


Ich verpasste den Sonnenaufgang über dem See Nirzas Ezers, das Bett war einfach zu warm. Gegen acht Uhr sah man verschlafene Gestalten durch die Wiesen zum Frühstück stapfen. Es bestand aus durchweg deftigen Sachen: hartgekochte Eier, dunkles und helles Brot, Käse, Wurst, Gurke, Tomate und, ok, für jeden genau eine Banane. Die Deutschen vermissten Marmelade oder Honig. Nach diesem Mahl pflückte sich jeder noch ein bis vier Äpfel, dann kuschelten wir uns wieder in den Reisebus, es ging zum Brotmuseum.

Um ehrlich zu sein, hatte ich etwas anderes erwartet. Das Brotmuseum besteht aus einem Haus, das so eingerichtet ist, wie früher in dieser Region üblich. Und dort erklärte uns eine traditionell gekleidete junge Frau etwas über das Leben früher, und wie die Frauen hier früher Brot buken. Die Essenz des Vortrags war eigentlich, dass Frauen mit ihren Brotbackfertigkeiten potenzielle Heiratskandidaten beeindrucken mussten. Und wenn sie 100 Brotenden (Knuste, Knippchen, …) gegessen hatten, würden sie den perfekten Mann finden – außer sie sähen zwischendurch ein weißes Pferd. Skurril und konservativ, wenn ihr mich fragt.
Das Brotmuseum hatte aber auch etwas Erfreuliches, nämlich Essen. Man servierte uns ein klassisches lettgallisches Mittagessen – Suppe, Kartoffeln, Pfifferlingsoße (selbst gepflückt!), Schinken, Brot natürlich, Honig und Hüttenkäse. Die letzten drei alle selbstgemacht. Und der Nachtisch! Hüttenkäse mit Hönig in einer Teigtasche, angebraten oder frittiert, und mit geschmolzenem Käse drüber. Zumindest finde ich, dass es Käse war, andere meinen, es sei warme Apfelsoße oder so gewesen. Jedenfalls war es sündhaft lecker.

Wenn man Google traut, heißt die Nachspeise Klockas.


"Esst, bis ihr ein Bäuchlein habt!", sagte sie. Also taten wir das.

Die traditionelle (Brotback-) Küche.

Zu Fuß liefen wir zur Aglona Kirche. Dem Ort, an dem vor einer Woche der Papst gestanden hatte.
Nächster Stopp: Velnezers. Überraschung, noch ein See! Ein ganz kleiner, niedlicher, mitten im Wald. Hübsch.

Karla und Truppe vor besagtem See.
Als letztes kutschierten sie uns nach Daugavpils, in eine gut erhaltene Festung, erbaut von Alexander I. (Russland), welche das Mark Rothko Museum und sechs seiner Kunstwerke im Original beherbergt. Er kam nämlich aus dieser Stadt. Eine Führung durch das Museum machten wir alle brav mit. Aber eigentlich hatten wir nur Hunger und wollten schlafen. Das taten wir dann auch, auf der dreistündigen Fahrt zurück nach Riga.

Ein flouriszierendes Pferd in der Festung, als Tribut an die beim Bau verstorbenen Pferde.

~ Wort des Tages: "Zirga smaids". So hieß unsere Bleibe mit den Holzhütten und hat die tolle Bedeutung 'Pferdegrinsen' (horse's smile, um noch genauer zu sein).


Karla

Mittwoch, 19. September 2018

Wie ist es eigentlich an der Uni?

Karla hat kein Handy mehr, es wurde ihr gestohlen. Aber reden wir erst einmal über die Uni.


Offiziell begann die Vorlesungszeit schon vor zweieinhalb Wochen, am 03.09., aber meine Fächer fingen erst die Woche darauf an. Etwas Schonzeit. Und auch in dieser ersten Uniwoche hatte ich lediglich vier von acht Fächern. Information Technologies fiel aus, Business Psychology und Management of Cross-cultural Interaction beginnen irgendwann später, und dann gibt es noch ein Fach namens International Banking and Financial Markets, welches nur innerhalb der ersten Dezemberwoche stattfinden wird, dafür dann jeden Tag. Aber immerhin stehen bereits die Klausuren tages- und uhrzeitgenau fest.
Letzten Montag ging es um Punkt zehn Uhr los mit Financial Management and Risks. Der Prof, Dr. Ĉirjevskis, präsentiert alles in monotonem, stark russisch akzentuiertem Englisch, unterstützt von einer PowerPoint-Präsentation, welche uns mit weißem Text auf schwarzem Hintergrund beeindrucken möchte. Ich wiederhole: Weißer Text. Schwarzer Hintergrund. Aber obwohl ich diesen Mittfünfziger in Anzug nur schwerlich verstehe und die Aufmachung seiner Präsentation mit mangelhaft bewerten würde, ist er mir irgendwie sympathisch. Keiner weiß, worüber genau, aber ab und zu kichert er vor sich hin, weil er mal wieder eine besonders amüsante Rechnung ausgeführt oder einen ulkigen Zusammenhang im Rechnungswesen entdeckt hat.

Die Vorlesungen finden hier quasi ausnahmslos in Doppelstunden statt, und eine Doppelstunde dauert 1,5 Stunden. Dazwischen gönnt man den armen Studierenden zehn Minuten Pause, ein Mal mittags sogar eine halbe Stunde. Gottseidank habe ich ausschließlich donnerstags einen kompletten Unitag von 8:20 bis 16:50 Uhr.
Als ich an jenem Montag von Herrn Ĉirjevskis‘ Vorlesung weitertrabe zu Financial Accounting, wird mir langsam bewusst, wie unmenschlich kurz diese 10 Minuten Pause sind. Ļubova Borisenko hat ihren Unterricht – ich nenne es bewusst nicht Vorlesung, denn das ist es nicht – bereits angefangen, als ich mich durch die Tür quetsche und schnell in der letzten Reihe niederlasse. Der Raum bietet Platz für genau vier Tischreihen, vierundzwanzig Personen. Nicht zu vergleichen mit einer Vorlesung an der Uni Bamberg. Ich habe Hunger. Aber die Pause reicht nicht aus, um sowohl Essen zu kaufen, als es auch zu verspeisen.
Die Dozentin arbeitet als „Accountant“ in der Schweiz und ist entsprechend eingebildet. Mit schriller Stimme, aber immerhin verständlichem Englisch, lässt sie uns an ihrem Wissen über Buchführung teilhaben und fragt uns alle zwei Minuten ab. Es ist anstrengend. Ich bin froh, als es vorbei ist, und sie uns mit einem Berg Hausaufgaben entlässt. Ja, es herrscht nicht nur Anwesenheitspflicht, man muss auch Hausaufgaben machen. Ich fühle mich in die Schulzeit zurückversetzt.

Am Mittwoch begebe ich mich zu English for Business, lerne absolut gar nichts und beschließe, den Kurs zu wechseln. Im höheren Kurs war ich dann gestern. Selbe Dozentin, Jeļena, und obwohl sie irgendwie nett ist muss ich sagen, dass ihr Kurs der wahrscheinlich anstrengendste wird. Man muss eben akzeptieren, dass sie immer Recht hat und sonst niemand.

Kommen wir zu einem wirklich erfreulichen Fach. Der Prof, Jurijs Spiridonovs, hat mich bereits nach den ersten 15 Minuten davon überzeugt, dass European Union mein neues Lieblingsfach ist. Der Mann arbeitet als Berater für das lettische Finanzministerium, weiß genau, worüber er redet und gestaltet seine Veranstaltung sehr interaktiv, mit Fragestellungen, Gruppenarbeiten und Diskussionen. Ich habe das Gefühl, dass in diesem Kurs auch die meisten Nationalitäten vertreten sind. War ich bisher nur mit Letten, Russen und ein paar Deutschen in einem Raum, so besteht meine Gruppe hier aus Franzosen, Georgen und zwei anderen Nationalitäten, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Und der Kurs ist vor allem eines: aktuell. Man merkt, dass Jurijs die Präsentation jedes Jahr erneuert, um die neuesten politischen Vorgänge mit einzubinden. So stehen uns zum Beispiel Diskussionen über den Brexit und die Flüchtlingskrise bevor.

Ich bin eine Sehenswürdigkeit!

So. Und jetzt zum Handy.
Am Sonntag machte sich eine Truppe fast nur Deutscher auf nach Sigulda. In Sigulda selbst gibt es nicht viel zu sehen, aber der Nationalpark drumherum und einige Burgen luden zum Wandern ein. Wir wanderten also zwischen Burgen und Höhlen umher, quälten uns endlose Stufen herauf und pflückten Äpfel im Auenland. Gerade hatten wir den Eintritt für die zweite Burg bezahlt, da fiel mir auf, dass mein treuer Gefährte Legolas – mein Handy – nicht mehr da war. Anrufen bestätigte uns – jemand hatte es ausgestellt. Nun ja, so habe ich auch einmal eine lettische Polizeistation von innen gesehen. Hätten wir das auch abgehakt. Legolas werde ich jedoch höchstwahrscheinlich nicht zurückbekommen, sodass ich mir nun das neue Shiftphone zu Weihnachten schenken werde. 


In der ersten Burg.


Die böse Burg, wo Legolas verschwand.

Falls ihr noch nicht wusstet, wie die lettische Flagge ausschaut.

Sigulda hat schon einen schicken Bahnhof.




~ Wort des Tages: Gibt es heute leider nicht. Mir fehlen die Worte. Sie wurden mir gestohlen.
(Wurden sie wirklich. Ich hatte eine Liste lettischer Worte auf meinem Handy.)

Karla

Sonntag, 9. September 2018

Sand statt Schnee. Und Schinkenkuchen.


Viele Menschen, wenig Platz. Wir treten ein durch einen Vorhang aus weißem Tüll, gold glitzernden Plastikstreifen und künstlichen Pflanzen. Es ist dunkel. Und doch leuchtet alles. Pflanzen, Stoffe und eine grell geschminkte Frau schieben sich in mein Blickfeld, alle hervorgehoben durch das herrschende Schwarzlicht. Dicht gedrängt schieben sich auch Menschen mit ihren Mateflaschen durch den „Urwald“. Wir bleiben stehen, beobachten die Frau. Die Performerin. Sie sitzt auf einem Liegestuhl und singt. Dann erzählt sie in melodischem Singsang von ihrer Arbeit. Sie schaltet Musik an und fordert zum Tanzen auf. Wer nicht tanzen möchte, der tue das eben nicht, wir seien ja alle eins und dadurch, dass sie tanze, tanzen wir eigentlich alle. Die Surrealität ist perfekt.


Karla war auf einem internationalen Kunst-Festival. Oder zumindest der Eröffnung davon. Es nennt sich survival kit, wird vom Goethe-Institut unterstützt und fand in einem alten steinernen Zirkus und dessen Stallungen statt. Eine tolle Lokalität! Die oben beschriebene Performance war nur eine von vielen, und daneben konnte man ausgestellte Kunstwerke bewundern und bis zwei Uhr nachts zu alternativer Musik tanzen.

Wie komme ich auf sowas? Ziemlich einfach – meine Mitbewohnerin hat dort mitgewirkt, mich deshalb eingeladen und mitgenommen.

Und was wollte uns diese Performance (namens „Stories for a Better Life, Their Story News from the Retrofuture”) eigentlich sagen? Also. Die Geschichte spielt in einer dystopischen Zukunft, in welcher die Reichen die Erde längst verlassen haben und nur noch die niedrigeren Klassen verbleiben. In dieser Welt hat sich die Frau (Sonja Khalecallon) ein Hotelimperium aufgebaut, das sie durch Multitasking komplett selbst leitet. Sie ist also gleichzeitig Managerin, Köchin, Unterhalterin, Putzfrau, …
Was uns das alles sagen soll, weiß ich aber trotzdem nicht. Ist halt Kunst.


Kommen wir zu einem lebensnäheren Thema: Strand.

„Was?“, denkt ihr euch. „Das ist doch das Baltikum. Lettland. Ich erwarte Schnee!“ 
Mit diesem Ansatz war ich auch hergekommen. Umso positiver überraschte mich der kilometerlange Sandstrand bei Temperaturen von über 20°C, nur eine halbe Stunde Bahnfahrt vom Rigaer Hauptbahnhof entfernt. Vergangenen Samstag erkundeten wir 200 Erasmusleute den touristischen Kurort Majori und den dazugehörigen Strand inklusive einer Reihe an Beachvolleyballfeldern. Gestern wandten wir uns eher gen Norden und taten dasselbe in dem Dorf Vecāķi, diesmal mit nur ca. 30 Leuten und noch mehr Beachvolleyball. 
Ich hatte nichts zum Essen dabei, da der Platz in meiner Tasche durch die Kamera eingenommen wurde. Man muss ja Prioritäten setzen. Zum Glück waren genügend organisierte Deutsche dabei, die alle genug Verpflegung für eine Kleinfamilie dabei hatten und gerne teilten.

Der Strand von Vecāķi.
Ein malerischer Müllcontainer am Meer.


Bescheidenes Strandhaus in Majori.

Majori I

Majori II

Bestgelegener Bahnhof!

Rugby oder so.



~ Wort des Tages: "Ŝķiņķi". Ja, ich weiß, was ihr denkt, und ich kann es auch nicht aussprechen. Das Wort bedeutet Schinken und anscheinend tun die Letten den in Gebäck hinein. Gut, dass ich diesen nach Möhrenkuchen aussehenden 'Pudiņŝ' letztens doch nicht gekauft habe.

Karla

Freitag, 31. August 2018

Wichtige Blumen

Die Einführungswoche ist in vollem Gange. Jeden Tag ziehen um die 200 Erasmus-Studierende durch die Rigaer Altstadt und vernichten fleißig Bier.
Jetzt gerade sitze ich allerdings zuhause und muss untätig zusehen, wie der Uhrzeiger auf Punkt zehn Uhr vorrückt. Um zehn Uhr hatte ich einen Termin mit meiner Koordinatorin. Diesen werde ich nicht wahrnehmen können. Warum? Nun, unsere Wohnung hat zwei Eingangstüren genau hintereinander. Die innere lässt sich ohne Probleme öffnen. Die äußere mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen, Kraft, Telekinese und mindestens zwei Sams-Wunschpunkten. Meine Mitbewohnerinnen waren arbeiten gegangen und hatten genau diese Tür abgeschlossen. Und genau heute sollte der Tag sein, an dem das Schloss komplett den Geist aufgibt. Wir sitzen jetzt zu zweit in der WG fest, wenn es schlecht läuft bis heute Abend, wenn eines der Mädels zurückkommt.

"Die Tür" mit Bonuskatze.


Dann kann ich euch genauso gut etwas mehr über die letzten fünf Tage und weitere Entdeckungen in Riga erzählen.


  • Überall Deutsche. An meiner Uni sind grundsätzlich zwei ausländische Nationalitäten vertreten: deutsch und französisch. Die restlichen 2% (grober Schätzwert) kommen aus Portugal, Georgien und der Türkei. Na gut, und einen Österreicher haben wir auch noch.
  • Rigas Altstadt ist wirklich schön! Gestern veranstaltete meine Uni eine kleine Schnitzeljagd, bei der wir die coolsten Bars, prunkvollsten Kirchen und den besten Straßenopernsänger kennenlernten.
  • Blumen sind wichtig. An vielen Straßenecken stehen kleine Stände - immer mehrere auf einmal - mit Schnittblumen und geschmackvoll zusammengestellten Blumensträußen. Es laufen auch auffallend viele Menschen mit Blumen in der Hand durch die Straßen. Meine Mitbewohnerin erzählt mir gerade, dass es schon fast Etikette ist, überall hin Blumen mitzubringen. Am Dienstag lief ich gegen zwei Uhr nachts mit ein paar Leuten nach Hause. Alle Bars machten bereits zu, Restaurants waren längst geschlossen. Aber nicht die Blumenläden, nein! Erstaunt schlenderten wir an den hell beleuchteten Pflanzen vorbei, hinter denen sich jeweils eine müde blinzelnde, in Decken gehüllte Verkäuferin verbarg. Kauft wirklich jemand um die Uhrzeit Blumen? Rentieren sich diese Öffnungszeiten? Oder gibt es einen anderen Grund, warum diese Frauen die Nacht lieber zwischen Blumen als schlafend verbringen?
    Ich werde versuchen, es herauszufinden.
Blumenläden um zwei Uhr nachts.
  • Ampeln. Manchmal gibt es gar keine Fußgängerampel, dann muss man sich an der für Autofahrer orientieren. Manchmal sind sie wie in Deutschland, nur ohne Knopf zum Drücken. Aber meine Lieblingsampeln sind jene, welche für alle Fußgänger auf allen vier Seiten der Kreuzung gleichzeitig grün werden. Das muss toll aussehen, aus der Vogelperspektive. Alles strömt kreuz und quer über die Straße, eingegrenzt von stehenden Autos.
  • Fahrradfahren in Riga ist ein Abenteuer für sich. Seit vorgestern bin ich stolze Besitzerin eines Eingangrads und muss feststellen: Die wenigsten Straßen sind mit einem Fahrradweg ausgestattet und die meisten Radfahrer nehmen einfach den Fußweg.
  • Wo wir schon bei Verkehrsmitteln sind: Busse. Sie sind wie Straßenbahnen abhängig von der Stromversorgung von oben. Jeder dieser kleinen Busse besitzt zwei ausklappbare, bewegliche "Fühler", welche an dem Stromkabel oben entlangfahren. Sie sehen aus wie fleißige Insekten.

~ Wort des Tages: "alus". Das Bier. Es ist hier wirklich nicht schlecht, aber auch nicht so billig, wie erhofft. 

Karla


UPDATE: Um halb zwölf (mittags) kam eine meiner Mitbewohnerinnen nach Hause und befreite uns. Puh!

Samstag, 25. August 2018

Erste Stunden in Lettland

Karla ist nach Riga gezogen. Heute.
Sie ist seit heute morgen um vier wach, mit Taxi, Zug, Flugzeug und wieder Taxi gereist und anschließend 10.000 Schritte quer durch Riga gelaufen. War ein guter Tag.

Seit heute wohne ich also mit drei Lettinnen, einer Kasachin und einer weiblichen Katze namens Batman zusammen - alle machen bisher einen sehr sympathischen Eindruck. Natürlich musste ich erst einmal einkaufen gehen, um dem drohenden Hungertod zu entwischen, doch das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. 
Milch. Es gibt so viel verschiedene Milch! Verwirrt stand ich vor dem Kühlregal. Lettisch müsste man können. Letztendlich nahm ich die Packung, auf der ich "EKOLOĢISKAIS" entziffern konnte. Bio also. Bio ist bestimmt gut. 
Wasser. Wie sollte ich herausfinden, welches Wasser das stille ist? Ohne Lettischkenntnisse: stumpfes Schütteln.
Bezahlen. Karla dachte sich, sie sei schlau und müsse nicht mit Menschen kommunizieren, wenn sie die Selbstbedienungskasse wählt. Das Gegenteil ist natürlich der Fall. Denn der Computer befielt eben auch nur auf Lettisch. Letztendlich bekam ich aber meine Lebensmittel und marschierte stolz in mein neues Zuhause zurück.


Unsere Küche inklusive Batman.

Eine Frage habe ich zu dieser Küche allerdings: Wie halten all die Sachen auf diesem um mindestens 15% geneigten Brett?!



~ Wort des Tages: "negāzēts". Es bedeutet still, im Sinne von stilles Wasser. Nächstes Mal bin ich für den Supermarkt vorbereitet.

Karla

Mittwoch, 13. Juli 2016

Vom Berühmtsein und Streiks

Guten Morgen, ein letztes Mal aus Kolumbien

In einer Woche bin ich gerade auf dem Weg nach Bogotá, zum Flughafen, und morgen in einer Woche bin ich gerade in Frankfurt angekommen. Die Melancholie des nicht-gehen-Wollens hat mich eingeholt.

Unvergesslich machen
Vor einer Woche waren Fiestas in Cucaita. Laura und Karla wären nicht Laura und Karla, wenn wir diese nicht vernünftig genutzt hätten, um uns gebührend bei unseren Cucaitanern zu bedanken.
Wir hatten also ein Lied geschrieben. Nein, das trifft es nicht ganz. Wir hatten sechs Lieder umgeschrieben. Aus jedem hier signifikanten Genre hatten wir ein Lied herausgesucht, dann ein Mashup zusammengeschnitten und einen neuen Text daraufgedichtet. Das fertige Werk wurde dann im Ecuadorurlaub bis zum Umfallen geübt und auch eine kleine Choreographie einstudiert. Wenn schon, denn schon.
Am Sonntag um 10.30pm, als der Dorfplatz gut gefüllt war, spazierten wir zwei dann auf die Bühne und sangen und tanzten unser Lied „Qué Gracias Sumercé“.
Und auch wenn wir definitiv schon einmal besser gesungen hatten und uns selbst fast nicht hörten waren die Dörfler angemessen begeistert. Als wir von der Bühne kamen, durften wir eine Menge Fotos mit einer Menge mir nicht immer bekannter Leute machen.
Falls euch interessiert, wie das so aussah – es ist bereits auf Youtube (der Ton wird im Verlauf des Lieds besser):


In dem Lied erzählen wir davon, wie unsere Familie anfangs gegen Kolumbien war, wir uns aber durchsetzten und in Cucaita viele tolle Leute kennenlernten und uns in dieses kleine Dörfchen verliebten. Hier und da machen wir ein paar Anmerkungen zu diversen Bier- und anderen Alkoholsorten. Wir zählen ein paar wichtige Orte des Dorfes (Bäckerei, Apotheke, Polizei, Rathaus), sowie typische Leckereien auf.
Dann gehen wir zu unserer Arbeit über. Sowohl Grundschule und Weiterführende als auch die Bibliothek wurden von uns besucht, und in einer herzzerreißenden Zeile singen wir, wie gut uns doch die Schulen gefallen und wie lieb wir die Kinder gewonnen haben.
Wir fügen hinzu, dass wir Spanisch schnell erlenen würden, und dann kommt ein Rapteil, den wir zum größten Teil auf deutsch durchziehen.
Das folgende Lied besteht aus einer Aufzählung an Früchten und Orten, die wir hier kennenlernten. Auch die Musik darf natürlich nicht fehlen, also geben wir zu, wie gut uns Latinomusik gefällt und gehen dann zum tiefgreifenderen Teil über. Hier erzählen wir, dass wir nicht gehen wollen. Wir geben den Cucaitanern das Versprechen, sie nie zu vergessen, laden sie nach Deutschland ein und fügen hinzu, dass wir wiederkommen werden. Das Lied endet mit einem „se acabó“ - es ist vorbei.


Das hier zeigt ziemlich gut, was wir eine halbe Stunde lang machten.
Fiestaas!

 
LKW-Fahrer verursachen Krise
Seit über einem Monat befinden sich die LKW-Fahrer im Streik und seit ein paar Tagen sind die Auswirkungen deutlich zu spüren. Da es kein Bahnsystem gibt wird alles, wirklich alles, über diese Vehikel transportiert. Die Folgen des nicht-Arbeitens der 'camioneros' (der LKW-Fahrer) sind kein Benzin und Mangel an Lebensmitteln (und folgerichtig steigende Preise). Auf dem Land kann man immer noch Obst, Gemüse und Milch von den Nachbarn beziehen, die bauen ja alles lokal an. In der Stadt gibt es mehr Vorräte, nur von Joghurt und Toastbrot habe ich gehört, dass sie in ein paar Supermärkten knapp werden.
Seit gestern gibt es außerdem keine Schulbusse mehr, die meine Schüler aus den Nachbardörfern herankarren. Es fehlt eben das Benzin. Und auch Lehrer fehlen, da sie von weiter weg kommen und es keine Transportmöglichkeit mehr gibt. Jetzt gerade hätte ich eigentlich Unterricht, aber profe María hat es nicht nach Cucaita geschafft.

Laura und ich wollten mehr über die Motive der Camioneros wissen, also gingen wir zum Ortseingang, wo die Camioneros Cucaitas gemeinsam mit ihren LKW die Tage und Nächte verbringen, und ließen einen von ihnen erklären:

„Initiiert wurde dieser Streik, da wir quasi unbezahlt arbeiten. Wir Camioneros werden pro Tonne bezahlt, die wir transportieren. Verrechnet mit den Ausgaben, die wir für die Fahrt haben (Benzin, Instandhaltung, Maut), kommen wir mit unserer Arbeit nicht ins Plus.
Zudem hatte die Regierung einen Fond eingerichtet, um die alten LKW durch neue zu ersetzen. Es war auch genug Geld da, aber plötzlich reichte es doch nicht aus. Ich schiebe das auf die Korruption.
Wir kleinen Leute haben außerdem Angst vor den großen Firmen, die ins Land gebracht werden. Sie nehmen uns die Arbeit weg.
Ein weiterer Punkt sind die Mautgebühren. Die Mautstellen und ihre Preise erhöhen sich in ungerechtfertigtem Maße. Auf der 120km-Strecke von Tunja nach Bogotá muss ich durch 3 Mautstellen, wer soll das denn bezahlen?
Wir Camioneros halten hier Tag und Nacht Wache, in Schichten, um Präsenz zu zeigen. In dem Zelt haben wir sogar eine Art Küche, in der wir Mahlzeiten für alle zubereiten. Wir stehen zwar unter ständiger polizeilicher Beobachtung, auch von 'undercover' Polizisten, aber wir hatten bis jetzt nicht eine Auseinandersetzung. Es geht alles sehr diszipliniert zu.
Eigentlich wollen wir nicht streiken, aber wir werden weitermachen, bis die Regierung endlich etwas macht. Bis wir zu einem Einverständnis kommen und eine eindeutige Lösung gefunden wurde. Letztes Mal haben sie uns nämlich betrogen und falsche Versprechungen gemacht.“

Soweit die Meinung eines sich im Streik befindenen LKW-Fahrers.

Die Regierung scheint nicht gewillt, nachzugeben. Manuel Santos, der Präsident Kolumbiens, rief gestern im Fernsehen die Camioneros auf, die arbeiten wollen, dies zu tun. Ein paar LKW fahren tatsächlich, allerdings immer begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot.

Inzwischen machen wir Freiwillige uns vor allem Sorgen um unseren Rückflug. Wie sollen wir nach Bogotá kommen?

Der Streik in Cucaita



~ Wort des Tages: „pelado“. Gepellt sein. Ein volkstümliches Wort für pleite, und das bin ich gerade, da ich so wenig wie möglich abhebe. Denn was will ich in Deutschland mit kolumbianischen Pesos?

Dies war mein letzter Post aus Kolumbien, meiner neuen Heimat. Ich werde schon ganz melancholisch. Lieber aufhören.

Chao,
Karla

Mittwoch, 6. Juli 2016

Gleiche Flagge, anderes Land

Buenas!

Ich habe ein weiteres Land Südamerikas kennengelernt. Laura und ich bereisten für zwei Wochen unser Nachbarland Ecuador.
Ja, trotz, oder vielleicht gerade wegen des Erdbebens. Viele Orte, und vor allem die Küstenregionen, leben ausschließlich vom Tourismus und auf unserem Besuch dort mussten wir feststellen, dass die sonst so belebten Dörfer wie ausgestorben sind. Dabei kam dort das Erdbeben noch nicht einmal an.

Im Flugzeug ging es in die mit 2850m höchstgelegene Hauptstadt der Welt, Quito. Ein kurzes Treffen mit meiner Freundin Mara, die hier ebenfalls einen weltwärts-Freiwilligendienst leistet. 20 beantwortete Fragen später saßen wir im Nachtbus nach Puerto Lopez.


Küste

Puerto López ist ein (eigentlich touristisches) Dörfchen an der Südküste. Die krasse Hitze, vor der wir gewarnt wurden, blieb aus. Oder ist einfach im Vergleich zur kolumbianischen Karibik nichts. Dafür sehr angenehme Temperaturen um die 30°C und menschenleere Strände.
Selbst an dem als schönsten Ecuadors beworbenen Strand namens „Los Frailes“ konnte man 500m entlangwandern und begegnete nur einem Menschen und 183 Krebschen. Da konnten Laura und ich natürlich nicht widerstehen und machten erst einmal Fotosession. Zum Baden lud das Meer auch aufgrund des starken Wellengang nicht besonders ein.

Sonnenuntergang in Puerto López
Puerto López
Los Frailes. Der Ort für tiefgründige Fotos.

Am darauf folgenden Tag ging es zur Isla de la Plata, zur 'Silberinsel' also. Diese ist auch als 'Galapagos für Arme' bekannt, weil man ebenfalls viele Vogelarten beobachten kann, aber für viel weniger Geld und Zeit.
Das Highlight der Tagestour war die Walbeobachtung auf der Hinfahrt. Man stellt sich das nicht besonders spektakulär vor. Einfach Wale, die manchmal aus dem Wasser gucken.
Es ist aber recht spektakulär. Die schiere Größe der Tiere und dann auch noch aus der Nähe ist beiindruckend. Und wenn sie dann noch halbe Salti machen...
Die Insel selbst war staubtrocken, konstant sonnenbeschienen und voll mit Blaufußtölpeln. Wir bekamen auch erklärt, woran man die Weibchen von den Männchen unterscheiden kann: Sie haben größere Pupillen, einen kräftigeren Körperbau und geben krächzende Geräusche von sich, während die Männchen eher pfeifen. Sehr lehrreicher Ausflug, nicht wahr?

Winkender Wal
Fliegender Wal

Isla de la Plata
Blaufußtölpel. Vorne Männchen, hinten Weibchen.

Karla und Laura auf den Klippen der Isla de la Plata

Unsere Jacht

Eine Stunde die Küste herunter liegt das kleine Partydorf Montañita. Süßer Name, wenn ihr mich fragt (heißt Bergchen). Dort verbrachten wir den Mittwochabend, schauten das Halbfinale Kolumbien gegen Chile, verloren leider, aber gingen dann trotzdem voller 'Nationalstolz' in Trikot feiern. Eigentlich ist Montañita nämlich für seine legendäre Partyszene bekannt. Aber an einem Mittwoch ein paar Wochen nach dem Erdbeben... war es doch ziemlich leer.
Tagsüber kann das Dorf mit einem 1a Wellengang (Surfen!), leckeren Frühstücksständen (Pfannkuchen!), niedlicher Architektur (Bambusbalkongeländer!) und super gechillten bezahlbaren Hostels (das Chichi Babylone Hostel!) aufwarten.

Montañitas Häuser

Über Nacht verließen wir den Pazifik und tauschten ihn gegen Kälte in Otavalo ein.


Otavalo

Den gesamten Freitag hingen wir mangels Schlaf untätig in dem dicht indigen besiedelten Großdorf Otavalo herum und lernten ein paar schönes Cafés kennen. Abends trafen wir uns dann mit unserem Couchsurfer Julius, buken gemeinsam eine Quiche und gingen danach Salsa und Bachata tanzen.
Wir hatten natürlich vorsätzlich einen Samstag für unseren Otavalobesuch gewählt, da dort immer Samstags der größte indigene Markt Südamerikas stattfindet. Handeln obligatorisch. Am besten geht man frühmorgens oder spätnachmittags hin, da die Händler dann eher dazu neigen, dir ihre Ware für deinen Preis zu verkaufen.

Der Markt in Otavalo



Nachmittags kamen Mara und ihr Freund Junior hinzu und nach einem typischen Mittagessen klärten wir uns ein Taxi, das uns zur 'Laguna Cuicocha' brachte. Die ist wirklich schön. Es wurden witzige Fotos gemacht.
Dann ging es nach Quito, wo wir sogar bei Juniors Familie schlafen durften. Samstag Nachts wurden die Clubs der Mariscal (dem Partyviertel Quitos) unsicher gemacht und am darauffolgenden Abend kamen wir bereits in Mindo an.

3x Hulk vor Lagune

Tiefgründiges Foto mit meinem neu erstandenen Rucksack.


Mindo

Mindo ist eigentlich wie Cucaita. Nur wärmer, mit viel mehr Touristen gespickt und vielen Hostels und tollen Restaurants. Aber eigentlich genauso wie Cucaita.
Es herrscht eine Luftfeuchtigkeit von 100%, aber Laura und ich empfanden das Klima als sehr angenehm, vor allem nach der trockenen Großstadt Quito. Junior, der dort wohnt, organisierte uns ein schönes Hostel, und dann gingen wir erst einmal Pizza essen. Unsere Bedienung war eine ältere Dame aus Kolumbien, die ziemlich gefeiert hat, dass wir auch aus Kolumbien sind (und mal wieder unsere Trikots trugen). Die Pizza kam übrigens aus dem Steinofen und war genial.
Den Montag verbrachten wir aktiv mit Canopy, essen, Schmetterlingsgucken und essen. Die Restaurants in Mindo sind aber auch wirklich gut. Beim Canopy (oder auch Ziplining genannt) rutschten wir an zehn verschiedenen Seilen über grünen Wald und ein paar Pferde, was ich sowieso schon immer mal machen wollte. Die Bahnen hätten allerdings noch etwas schneller sein können finde ich.
Nach dem Mittagessen spazierten Laura und ich zu einem Schmetterlingshaus und merkten, dass wir die Insekten von Nahem doch nicht so schön finden. Vor allem nicht diese handtellergroßen. Laura ließ es sich jedoch trotzdem nicht nehmen, 20min lang mit Honig auf dem Finger kleinen bunten Schmetterlingen hinterherzulaufen, um schlussendlich dieses Foto zu bekommen.


Ziplining.


Abends testeten wir das Hummingbird-Restaurant, das sich komplett auf vegetarisch/vegane Quinoa-Produkte spezialisiert und spektakulär gute Quinoa-Burger macht.
Dienstag morgens quälten wir uns um fünf Uhr morgens aus dem Bett und beobachteten vier Stunden lang Vögel. Die Kolibris und Tucane waren es schon wert, aber ich werde definitiv keine große Vogelbeobachterin.

Ein paar der vielen Vögel, die wir zu Gesicht bekamen

Bester Quinoa-Burger!

Zurück in die 2 Millionen-Hauptstadt.

Quito

Unser Hostel dort ('The Secret Garden') darf sich zurecht zu einem der besten im Land zählen, weshalb wir hier gerne die Nachmittage auf der Dachterrasse verbrachten, wo es sowohl Wlan als auch free coffee gab.
Ich wiederhole es noch einmal.
Dachterrasse. Wlan. Kaffee.

Und nicht nur Kaffee, Tee gab's auch auf der Dachterrasse!

Kirchen fotografiere ich eigentlich nicht, aber diese Schildkrötenreliefs, die mussten sein!
Warum gibt es nicht auch in Deutschland so flauschige Tauben?

Zugegebenermaßen kann man in Quito nicht soo viel machen, aber da wir am Ende unsere Reise und in dem super Hostel (mit Dachterrasse, Wlan und Kaffee) waren, kamen uns drei Tage Aufenthalt hier gelegen.
Wir fuhren auf den Hügel 'El Panecito' hinauf (witziger Name, das heißt Brötchen) und nahmen am nächsten Tag die Seilbahn auf den Hausberg 'Pichincha' (5000m hoch). Da oben ist es kalt und man fühlt sich sofort unsportlich, weil man einfach nicht schneller als Spaziertempo gehen kann, ohne dass einem die Luft ausgeht. Besser also, man genießt einfach die Aussicht auf das langgestreckte Quito und macht viele viele Fotos.

Auf dem Panecito
Pichincha, mit Aussicht auf Quito.

Lustige Wandernde auf Pichincha.

Die letzte wichtige Attraktion, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten, ist die kleine Fußgängergasse 'La Ronda'. Hier findet man gute Cafés und Riesenempanadas. Also trafen wir uns mit einer Freundin von Laura, setzten uns in ein Café, tranken heiße Schokolade (die beste, die ich jemals getrunken haben werde!) und zogen danach weiter, um uns eine Riesenempanada zu teilen.
Diese Empanadas sind wirklich verdammt riesig, verdammt fettig und sehr lecker. Und preiswert. Perfektes Abendessen für mittellose Backpacker.

Wichtige Gebäude in Quitos Altstadt
Der zentrale Platz Quitos.
Karla, Laura Luisa und die Riesenempanada


Es war unbestreitbar ökonomisch richtig, den frühen Flug nach Bogotá zu nehmen. Die praktische Umsetzung aber erforderte dann doch einige Überwindung. Wir schliefen die Nacht von Freitag auf Samstag einfach gar nicht, waren um 11 Uhr abends am Flughafen, kamen gegen 3am in Kolumbien an. Pünktlich zum Frühstück schloss ich völlig zerstrubbelt und mit klitzekleinen Augen die Haustür auf.
Am Abend gingen die Fiestas los. Samstag, Sonntag und Montag. Schlaf wird sowieso vollkommen überbewertet.


Durch meine (zugegeben kurze) Reise nach Ecuador lernte ich auch 'meine' kolumbianische Kultur noch weiter kennen, da man vieles, dass inzwischen normal geworden ist, noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen lernt. Dadurch, dass wir Freunde dort haben, durch den Kontakt mit unserem Couchsurfer und vor allem durch den Aufenthalt in Juniors Familie blieb der Urlaub nicht so oberflächlich und touristisch, wie das vielleicht sonst der Fall gewesen wäre.
Ich kann jedenfalls sagen, dass Ecuador eine Menge zu bieten hat und das Erdbeben potentielle Besucher nicht abschrecken sollte. Die Menschen dort leben vom Tourismus und haben momentan wirklich Probleme, über die Runden zu kommen.


~ Wort des Tages: „Siga no más“. Dieser Ausdruck, oder generell alles mit 'no más' ist sehr ecuadorianisch und hat anfangs die Freiwilligen dort etwas verwirrt, bedeutet er nämlich eigentlich 'nicht mehr'. In dem Sinn, wie ihn die Ecuadorianer tagtäglich anwenden, meint er aber eher etwas wie 'ist gut so'. Ach, und Siga meint etwas wie 'Tritt ein!'

Hasta luego,
Karla